Die Musik der täglichen „Messes du Roi“ und des ebenfalls täglich gefeierten Offiziums in Versailles zur Zeit Ludwigs XIV. wird auf dieser CD mit Spitzenwerken exemplarisch repräsentiert. Es handelt sich allerdings nicht um Neueinspielungen, sondern um Auskoppelungen aus fünf Tonträgern – aber man hat durchaus einige Filetstücke des Katalogs zu einem furiosen „Versailles-Spektakel“ verbunden. Jean Tubérys Einspielung des berühmten „Te Deum“ von Charpentier besticht auf allen Ebenen durch Zugkraft und Stringenz: Perfekt sind in den großbesetzten Nummern Chor- und Orchesterklang miteinander verzahnt, und der Auftritt des Bassisten Jean-Claude Sarragosse nach dem „Prélude“ zählt zu den großen Momenten dieser Sammlung. Großartig gerieten auch die Orgelstücke von Lebègue, Couperin, Marchand und Dandrieu, die einem Album namens „Deux siècles d’orgues à Versailles“ entnommen sind und von vier verschiedenen Organisten offenbar in der Versailler Schlosskapelle eingespielt wurden (exakte Informationen dazu verweigert das etwas dürftige Beiheft leider).
Großartig sind auch zwei dialogische Vertonungen des Hohelied-Textes „In lectulo meo“ von Henry Du Mont, vorgetragen von Henri Ledroit und Gérard Lesne. Ihre Kollegin Claire Lefilliâtre widmet sich sehr ausdrucksstark einer Vertonung des Psalms 51 („Miserere“) von Michel-Richard Delalande; beteiligt ist die Gruppe „Le Poème Harmonique“. Ausdrucksstärke könnte man insgesamt als Hauptqualität dieser bunten Kollektion mit französischer Barockmusik bezeichnen: Es sind schlichtweg die erfahrensten Spezialisten für dieses Repertoire, die auf dieser CD vorteilhaft zu Wort kommen.

Michael Wersin, 26.10.2013



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