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Magic Brewery

Wolfgang Lackerschmid Connection

hipjazz/Galileo HIPJAZZ007
(61 Min., 2012)

Das ist das Magische an der Musik: Manche musikalische Verbindungen überleben sogar den Tod. Beispielsweise das Duo, das der Vibrafonist Wolfgang Lackerschmid 1979 mit Chet Baker gründete. Der große ausgemergelte Leidensmann des Jazz ist nicht mehr, aber manchmal meint man ihn auf der neuen Aufnahme seines langjährigen Kumpanen noch an den Mallets hören zu können. Etwa in der extrem feingesponnenen Ballade „Lady F.“, in der sich die Rhythmusgruppe (Mark Egan am fünfsaitigen E-Bass und Karl Latham am Schlagzeug) höchste Zurückhaltung verordnet, damit Trompeter Ryan Carniaux in Ruhe den Inhalt seines lyrischen Füllhorns ausbreiten kann.
Ein ähnlicher Effekt kammermusikalischer Weltentrücktheit stellt sich auch in dem auf den Klangwellen des Vibrafons dahinsegelnden „Boats In The Air“ ein. Aber die Connection um Wolfgang Lackerschmid kann auch anders. Bei der speziellen Lesart von Arthur Schwarz' „Alone Together“ weisen 6/8-Takt und das von Lackerschmid eingesetzte Marimbafon Richtung Afrika; die Bearbeitung des Shearing-Klassikers „Lullaby Of Birdland“ sowie Mark Egans „Slinky“ verdeutlichen, dass die Feingeist-Kombination aus Vibrafon und Trompete keineswegs vor Funkyness schützt.
Bei den letzten beiden Stücken der Aufnahme zeigt sich das Ensemble freilich am experimentierfreudigsten. Während „Story Circle“, in dem jeder Musiker in einer anderen Tonart spielt, merkwürdige Wege irgendwo zwischen impressionistischer Sphärenmalerei, Coltranes „Love Supreme“ und Reggae einschlägt, erweist sich das titelgebende Stück „Magic Brewery“ als eine eigentümliche Versuchsanordnung: Freie Improvisation, ungewöhnliche Instrumentierung (Lackerschmid benutzt u.a. ein Steinplattenxylofon namens Gramorimba) und ein durchlaufender Loop (auf Grundlage eines alten Brauereiaufzugs) ergeben zusammen eine überraschend süffige Mixtur.

Josef Engels, 09.11.2013



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