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Jacobus Vaet, Alessandro Orologio, Orlando di Lasso u.a.

Musica Ferdinandea – Ein Fest für Kaiser Ferdinand I.

Kai Wessel, Achim Kleinlein, Matthias Gerchen, Capella de la Torre, Katharina Bäuml

Musikmuseum/Note 1 MMCD13015
(72 Min., 3/2012)

Eine gute Idee und ein schönes Programm: Zu Ehren von Ferdinand I. erklingt in der Innsbrucker Hofkirche, die der Kaiser erbauen und 1563 (ein Jahr vor seinem Tod) einweihen ließ, Musik aus dem Umkreis ebendieses Herrschers. Im Zentrum steht die selten zu hörende sechsstimmige Messe „Tityre, tu patulae“ von Jacobus Vaet, geschaffen als Parodie auf der Grundlage von Orlando di Lassos gleichnamiger motettischer Virgil-Vertonung. Darum herum gruppieren sich zahlreiche weitere reizvolle Musikstücke, deren bekanntestes wohl der mit Ferdinands Großvater Maximilian assoziierte Liedsatz „Innsbruck, ich muss dich lassen“ von Heinrich Isaac ist. Wenig bekannte Komponisten wie Pieter Maessins und Arnold von Bruck kommen ebenfalls zu Wort. Wie indes die Bläsertruppe von Katharina Bäuml die erklärtermaßen improvisierte mehrstimmige Canzone reibungsfrei zu extemporieren in der Lage war, bleibt ihr Geheimnis.
Interpretatorisch wird auf hohem Niveau gearbeitet. Die Vokalmusik erklingt durchwegs in gemischter Besetzung: Die drei Sänger werden jeweils von Instrumentalisten ergänzt, in der sechsstimmigen Messe samt Motettenvorlage bedeutet dies ein exakt paritätisches Verhältnis. Ob dies für die Musik des 16. Jahrhunderts im Rahmen des historisch Korrekten liegt, kann an dieser Stelle nicht diskutiert werden. Bei so disziplinierter und sensibler Spiel- und Singweise wie auf dieser CD zu hören kann man über das Ergebnis jedoch nicht meckern, wenngleich in puncto Textpräsenz freilich Abstriche gemacht werden müssen. Insgesamt besticht das durchgehend hohe Niveau auf klanglicher wie intonatorischer Ebene – man muss nicht erst die Besetzungsliste studieren, um zu bemerken, dass hier echte Könner am Werk waren.

Michael Wersin, 09.11.2013



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