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Pablo de Sarasate

Spanische Tänze, Zigeunerweisen u.a.

Julia Fischer, Milana Chernyavska

Decca/Universal 478 5950
(68 Min., 7/2013)

1840 war Niccolò Paganini in Nizza verstorben. Sein Nachfolger sollte aber nicht lange auf sich warten lassen. Bereits vier Jahre später erblickte ein gewisser Martín Melitón Pablo de Sarasate y Navascués in der spanischen Stierhochburg Pamplona das Licht der Welt. Und als Pablo de Sarasate sollte er bald die Violine spektakulär bei den Hörnern bzw. Saiten packen. Die Zeitgenossen schwärmten von seiner unglaublichen Leichtigkeit im Virtuosen. Außerdem muss er einen einzigartigen Ton besessen haben, wie sich einem Sarasate-Porträt des berühmten Kritikers Eduard Hanslick entnehmen lässt: „Es gibt wohl wenige Geiger, deren Spiel uns einen so ungetrübten Genuss bereitet wie das dieses Spaniers. Sein Ton ist nicht scharf und erschütternd, sondern von bezaubernder Süße.“
Schwere- und makellos im Spieltechnischen sowie gesegnet mit einem balsamisch schönen Klang – damit kann hundert Jahre nach Sarasates Tod auch Julia Fischer aufwarten. Und was der Spanier in seinen rund 50 Werken auch so alles an Kniffen untergebracht hat – darüber kann die Münchnerin eigentlich genauso lässig mit den Schultern zucken wie bei Paganinis Solo-Capricen, mit denen sie vor einigen Jahren gewaltig aufhorchen ließ.
Nun würde keiner auf die Idee kommen, einen ganzen Abend entweder Paganini oder Sarasate zu spielen, auch wenn letzterer seine Show-Pieces mit südländischer Leidenschaft, andalusischem Feuer und baskischen Tänze auflud. Auch bei Fischers Sarasate-Einspielung gibt es eben immer wieder diese Momente und Stücke, bei denen deutlich wird, dass die eingängigen Melodien und Rhythmen lediglich konventionelle Trägermasse für die Glissandi und Flageoletts, rasanten Staccato-Läufe und höllisch schwierigen Doppelgriffe bilden müssen. In einem Rutsch durchhören wird man dieses Recital wohl nie. Wer sich ihm aber in Intervallen nähert und dann immer ein anderes Bravourstück herauspickt, der wird seine helle Freude haben. Sei es an einem „Gesang der Nachtigall“ op. 29, bei dem Fischer ein wild schimmerndes Belcanto-Kleid anlegt, das sprachlos macht. Und bei dem von Pianistin Milana Chernyavska angefeuerten Aufgalopp in „Zapateado“ zeigt Fischer einfach Heifetz-Klasse.

Guido Fischer, 01.03.2014



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