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Gustav Mahler, Ferruccio Busoni

Das Lied von der Erde, Berceuse élégiaque

Susan Graham, Christian Elsner, Tonhalle-Orchester Zürich, David Zinman

RCA/Sony 88765438152
(73 Min., 10 & 11/2012)

Für viele hat Gustav Mahler sein „Lied von der Erde“ mit dem wohl ergreifendsten Abschiedsgesang ausklingen lassen, der jemals komponiert worden ist. In ein Nichts, in die komplette Stille entschwebt er – als ob Mahler hier nochmal dem Tod seiner älteren Tochter gedenken wollte, der vielleicht der Auslöser dieser großorchestralen Lieder-Sinfonie gewesen war. Die Uraufführung des „Lieds von der Erde“ konnte Mahler bekanntermaßen nicht mehr miterleben. Dafür verabschiedete er sich in seinem Todesjahr 1911 vom Dirigentenpult u.a. mit der Uraufführung der „Berceuse élégiaque“ von Ferruccio Busoni. Schon 1909 hatte Busoni dieses rein orchestrale Epitaph auf seine Eltern geschrieben, die in kurzem Abstand gestorben waren. Und mit diesem selten zu hörenden Werk lassen David Zinman und sein Züricher Tonhalle-Orchester ihre über viele Jahre gereifte, intensive Mahler-Exegese ausklingen. Diese Berceuse ist mit ihren todestrunkenen Klangwellen aus einem anderen Holz geschnitzt als das Finallied „Der Abschied“ aus Mahlers „Lied“. Doch Zinman schafft es bei Busoni nicht nur, dem lyrischem Dauer-Lamentoso einen sanften Zauber zu entlocken. Zugleich verblüfft diese Slow Motion-Musik mit ihrer unerwarteten Nähe zum amerikanischen Minimalismus eines Morton Feldman.
Für reichlich gespitzte Ohren hat Zinman zuvor ebenfalls mit Mahler gesorgt. Denn das schauerlich Schicksalhafte und die zugleich doch so trostspendende Schönheit dieser Musik sind hier in der Totalen genauso allgegenwärtig wie im Detail, in den einzelnen instrumentalen Solo-Stimmen. Und mit den Sängersolisten hat Zinman das große Los gezogen. Wie entmaterialisiert wirkt das Zarte von Mezzosopranistin Susan Graham. Zugleich beherrscht sie das Sentimentale in den allerfeinsten Dosierungen, um bloß nicht das Leidende und Zweifelnde in Seelenkitsch umschlagen zu lassen. Ähnlich geschmacks- und stimmsicher bewegt sich auch Tenor Christian Elsner durch ein Werk, das er schon 1996 erstmals unter der Leitung von Dietrich Fischer-Dieskau aufgenommen hat. Einziger Wermutstropfen dieser jetzt auch klangtechnisch vorzüglichen Produktion: Im Booklet fehlen die Liedtexte.

Guido Fischer, 15.03.2014



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