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Johannes Brahms, Franz Liszt, Frédéric Chopin, Ludwig van Beethoven, Robert Schumann

Sonate h-Moll, 32 Variationen c-Moll, Sieben Fantasien op. 116 u.a.

Julius Katchen

Audite/Edel 1021419ADT
(150 Min., 1962 & 1964) 2 CDs

Julius Katchens Brahms ist energisch, markant, laut – so kennen und bewundern wir ihn von seiner berühmten Gesamtaufnahme der Brahms‘schen Klaviermusik für das Label „London“ und so spielte er auch 1962 und 1964 für den RIAS u.a. das Scherzo es-Moll op. 4. Wie aber würde dieses phänomenal flinke Energiebündel die Musik von Chopin darbieten? In Berlin spielte er zwei Nocturnes, eine Berceuse und die Ballade op. 47 vor den Rundfunkmikrofonen – wir sind fasziniert: Zwar verleugnet Katchen auch hier nicht ganz seinen stets recht trockenen, direkten Zugriff auf die Musik (meistens pedalisiert er sehr sparsam), aber es gelingt ihm in den zartesten Momenten der Chopin-Nocturnes, gerade auf dieser Basis einen unwiderstehlichen Zauber an Zartheit und sensitiv-diskreter Intimität zu erzeugen. Hätte er doch nur sämtliche Nocturnes eingespielt – es gäbe dann vielleicht eine im interpretatorischen Konzept der Version von Rubinstein ebenbürtige, aber eben doch ganz eigenständige, ganz andere „klassische“ Version dieser Stücke.
Der 1969 mit 43 Jahren an Leukämie verstorbene Katchen präsentierte in Berlin auch seine Interpretation von Liszts h-Moll-Sonate sowie Beethovens 32 Variationen in c-Moll WoO 80. In Liszts Sonate gelingt es ihm mittels einer streckenweise sehr assoziativen Herangehensweise, den Hörer teilhaben zu lassen an jenem Prozess des beständigen Variierens der wenigen Grundbausteine, aus denen Liszt sein gewaltiges Stück geformt hat. Gleichzeitig meistert Katchen mit stupender Technik die horrenden technischen Schwierigkeiten auf besonders beeindruckende Weise, weil er auch hier auf übermäßiges Pedalisieren verzichtet und sich somit den virtuosen Herausforderungen sehr offen und ungeschützt aussetzt. Ein Abenteuer.

Michael Wersin, 05.04.2014



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