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Guillaume Dufay, Philippe de Vitry u.a.

Piffarissimo – Instrumentalmusik zum Konstanzer Konzil 1414-1418

Capella de la Torre, Katharina Bäuml

Challenge Classics/New Arts International CC72631
(61 Min., 7/2013)

Wer heute als Interpret Alte Musik vor dem Hintergrund einer historisierenden Aufführungspraxis erlebbar macht, der ist sich, sofern er ehrlich ist, immer im Klaren darüber, dass er eine Kompromisslösung anbietet: Volle Authentizität ist nicht einmal annähernd zu erreichen, denn kein historisches Quellenmaterial der Welt kann uns einen verlässlichen Eindruck davon verschaffen, wie letztendlich tatsächlich gesungen und gespielt worden ist. Wenn es um Vokalmusik der Renaissance geht, haben wir wenigstens viele, viele Meter von Partituren in Denkmalausgaben, von denen wir wissen, dass ihr Inhalt tatsächlich gesungen wurde. Wenn es jedoch – wie auf dieser CD – um Instrumentalmusik jener Zeit geht, dann ist es noch viel schwieriger, das „Was“ und das „Wie“ zu ermitteln, denn es wurde damals munter extemporiert, improvisiert, aus Vokalpartituren adaptiert … Ein hartes Brot, hier ein Bein auf die Erde zu bekommen, wenn man soviel Anstand am Leibe hat, nicht einfach alles z. B. mit fetzigen Trommelrhythmen zu garnieren, wie es manche Ensembles tun.
Zahllose Instrumentalisten sind während der Jahre des Konstanzer Konzils am Bodensee zusammengekommen, und sie haben mit „Pfeifen, Trommeln, Saitenspiel“ (so bezeugt es Oswald von Wolkenstein) zur einzigartigen Atmosphäre dieser Veranstaltung beigetragen. Was sie wie gespielt haben könnten, versucht die Capella de la Torre unter Katharina Bäuml mit zeitgenössischen Instrumenten (die hier leider durchgängig nur mit ihren englischen Namen benannt werden) zu rekonstruieren. Wir hören Musik von Guillaume Dufay und Philippe de Vitry und von anonymen Meistern. Es wird, ganz wie seinerzeit üblich, auch improvisiert und aus Vokalwerken adaptiert, aber wir erhalten einen umfassenden Einblick in die Klangwelt der alten Rohrblatt-, Blechblas-, Saiten- und Schlaginstrumente, aus denen sich seinerzeit eine „Alta Capella“ formiert hat. Eine unterhaltsame und eindrückliche CD, ein großartiger Beitrag zum 600-Jahre-Gedenken an das Konstanzer Konzil.

Michael Wersin, 10.05.2014



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