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Béla Bartók

Tanzsuite, Sonate, Vierzehn Bagatellen, Rumänische Volkstänze u.a.

Alain Planès

harmonia mundi HMC 902163
(79 Min., 11/2012)

Auf den ersten Blick hat Alain Planès ein klassisches Klavierporträt von Béla Bartók zusammengestellt und eingespielt. Zieht man die 1926 komponierte, perkussiv, ja geradezu bärbeißig daherkommende Klaviersonate ab, ist der vertraute Musikethnologe Bartók allgegenwärtig. Bearbeitungen von ungarischen Bauernliedern und rumänischen Volkstänzen ziehen sich da wie ein roter Faden durch die ausgewählten Klavier-Hefte. Nun sind auch diese Früchte der von Bartók ab 1905 angetretenen Feldforschungsreisen einem bestens vertraut – dachte man.
Denn Planès schafft es, selbst auf scheinbar ausgetretenen, volksmusikalischen Pfaden Bartóks allgegenwärtige Modernität herauszukitzeln. Balkan-Folklore trifft da auf die erlesene Chromatik Claude Debussys und die geheimnisvolle Simplizität gar eines Erik Satie. Und wenngleich Bartók sich zu Beginn seines neues Künstlerlebensabschnitts von seinem einstigen Helden Franz Liszt gelöst hatte, so erinnert doch gleich die erste der insgesamt „Vierzehn Bagatellen“ in ihrer meditativen Reduktion an die allerletzten, ebenfalls auf den reinen Ausdruck konzentrierten Klavierstücke von Liszt. Auch solche Entdeckungen und Querverbindungen genießt Alain Planès geradezu. Zugleich kann er aus dem Stand heraus gleich zwei Gänge höherschalten – für ein minimalistisches, atemlos machendes „Allegro giocoso“ oder ein sich im ewigen Kreis drehendes „Andante“.
Auch diese Bagatellen sollen wirklich aus dem Jahr 1908 stammen? Wer bisher nicht glaubte, dass Bartók seiner Zeit oftmals gar meilenweit voraus war, der höre sich diese CD an.

Guido Fischer, 21.06.2014



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