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Francis Poulenc

Stabat Mater, Sept répons de ténèbres

Carolyn Sampson, Estnisches Nationales Sinfonieorchester, Cappella Amsterdam, Estnischer Philharmonischer Kammerchor, Daniel Reuss

harmonia mundi HMC 902149
(62 Min., 6/2012)

Nach einer kurzen Abkehr ins Weltliche fand Francis Poulenc 1936 umso vehementer zum katholischen Glauben zurück. Musikalisch drückte sich dies nicht nur in seiner Oper „Die Gespräche der Karmelitinnen“ aus, sondern in einigen gewichtigen Kirchenwerken. Dazu gehört Poulencs wohl bedeutendstes Chorwerk „Stabat Mater“, das er 1950 im Gedenken an einen verstorbenen Freund komponiert hatte. Diesen zwölfteiligen Schmerzensgesang für Sopran, Chor und Orchester hat jetzt der deutsch-niederländische Dirigent Daniel Reuss mit Poulencs neun Jahre später komponierten „Sept répons de ténèbres“ kombiniert, in denen die Hilflosigkeit, Einsamkeit und Sterblichkeit des einzelnen Menschen reflektiert werden.
Im Vergleich zu der zeitgleich heftig rumorenden Nachkriegsavantgarde mag Poulencs kompositorische Handschrift ziemlich von gestern, altväterlich daherkommen. Melosgesättigte Vokalisen und eine von Strawinski und Orff abgelauschte Archaik sind hier wie dort die konsequent aufgebotenen Merkmale einer Musik, bei der zumindest manche chromatische Einwürfe für gewisse dramatische Schärfegrade sorgen. Dass beide Werke einen dennoch während ihrer gesamten Spieldauer packen, liegt nicht nur an Poulencs Gespür fürs ungemein Substanzreiche und Sinnliche, das durchaus auch eine gewisse Nähe zur russischen Kirchenmusik sucht (exemplarisch ist da der 10. Satz des „Stabat Mater“, der einer Mussorgski-Hommage gleichkommt). Gerade was die hohe Kunst der Schlankheit im flüssig Deklamatorischen, die vitale und dann wieder berückend verinnerlichte Klanglichkeit angeht, entpuppen sich die Orchestermusiker, Choristen und nicht zuletzt Sopranistin Carolyn Sampson als ideale Ideenträger und Glaubensvermittler.

Guido Fischer, 19.07.2014



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