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Joseph Haydn

Streichquartette op. 50/1, op. 76/1, op. 77/1

Quatuor Modigliani

Mirare/harmonia mundi MIR 231
(64 Min., 4/2013)

Das älteste Instrument stammt von 1660 und ist eine Bratsche. Das jüngste hingegen datiert von 1780 und ist eine Guadagnini-Geige. Moderne Streichinstrumente kommen dem Pariser Quatuor Modigliani also nicht in die Hände. Neu ist dieser klanghistorische Ansatz selbstverständlich längst nicht mehr. Dennoch sorgt das Quatuor Modigliani seit nunmehr schon zehn Jahren regelmäßig für ein gewisses Erstaunen, wenn es sich damit speziell den Streichquartetten von Joseph Haydn annimmt. Denn die vier Musiker schaffen es auf einem konsequent verblüffenden Niveau, nicht nur Haydns kompositorische Nuancen und Wagnisse in ein modernes Licht zu tauchen. Das Spiel besitzt genau alle Vorzüge, um den unerschöpflichen Streichquartettkosmos von Haydn mit all seinen Stimmverläufen und Stimmungsumschwüngen staunend verfolgen zu können.
Für den jüngsten Haydn-Coup hat man sich jeweils das erste Quartett aus den Konvoluten opp. 50, 76 & 77 herausgepickt. Und was die Ausgeglichenheit, klangliche Homogenität, dynamische Vielfalt und die so wohltuende Gesanglichkeit angeht, bestätigen die Modiglianer ihr Spitzenniveau. Dass man dabei im tiefsten Inneren dieser herrlichen Musiken so manche Entdeckungen macht, versteht sich fast von selbst. Das 1. „Preußische Quartett“ op. 50 besitzt eine Innigkeit, auf die ein Mozart nur neidisch sein konnte. Und wo Franz Schubert so manchen Anstoß für seinen typischen Klang bekommen hat, kann man ab sofort im Quartett op. 76/1 nachhören.

Guido Fischer, 09.08.2014



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