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Paul Hindemith

Musik für Viola

Jitka Hosprová, Jitka Čechová, Prager Kammerorchester

Supraphon/Note 1 SU4147
(61 Min., 1 & 2/2014)

Rätselhafter Paul Hindemith: Als Komponist und Bratschenvirtuose gehörte er sicher zu den kreativsten Geistern des 20. Jahrhunderts. Nach dem Zweiten Weltkrieg war er in Sachen musikalische Avantgarde die erste Adresse. Aber sein Nachruhm ist belastet durch einige biografische Unklarheiten im Zusammenhang mit dem Nationalsozialismus, und die Rezeption seiner de facto sehr vielfältigen kompositorischen Leistungen wird oftmals überlagert durch die Wahrnehmung seiner musiktheoretischen Elaborate („Unterweisung im Tonsatz“) als sehr trocken und akademisch.
Um die sinnlichen Qualitäten seiner Musik zu erfahren, muss man gar nicht die seinerzeit umstrittenen Skandalwerke wie die Oper „Sancta Susanna“ oder das Ballett „Das Nusch-Nuschi“ zur Hand nehmen. Auch auf der Viola allein brachte es der Virtuose Hindemith zu einer sehr leidenschaftlichen Tonsprache, wie die beiden hier eingespielten Solo-Sonaten von 1919 und 1922 beweisen. Auf Basis der traditionellen Harmonik werden die Grenzen der Tonalität hörbar gemacht, aber nicht überschritten. Die führende tschechische Bratscherin Jitka Hosprová folgt den melodisch-harmonischen Ballungen dieser Musik angemessen emotional, ohne dabei den nüchternen Blick für die komplexen Strukturen zu verlieren: Die gewissermaßen „bilaterale“ Herangehensweise – einerseits vom expressiv gestalteten Einzelton, von der ausdrucksstark nachempfundenen motivischen Geste herkommend, andererseits stets intelligent und überlegen auf den melodischen und harmonischen Bau verweisend – macht Hosprovás Spiel zum reinen Genuss. Herrlich entfaltet sie auch die zunächst eigenartig brahmsischen, dann bald an Fauré erinnernden musikalischen Ideen der Sonate für Viola und Klavier (1919). Eine Freude ist es schließlich auch, der berühmten „Trauermusik“ für Viola und Streichorchester zu lauschen, die Hindemith 1936 in nur sechs Stunden komponierte. Diese CD ist wahrlich ein aussagekräftiges Plädoyer für Hindemith – möge sie dazu beitragen, dass seine Musik wieder mehr ins Bewusstsein des Publikums gelangt.

Michael Wersin, 06.09.2014



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