Responsive image
Claudio Monteverdi

Vespri solenni per la festa di San Marco

Rinaldo Alessandrini, Concerto Italiano

Naïve/Indigo 992012
(80 Min., 12/2013) CD + DVD

Zum 30. Geburtstag seines renommierten Alte Musik-Ensembles Concerto Italiano hat Gründer und Dirigent Rinaldo Alessandrini die Korken etwas feingeistiger knallen lassen. Statt für eine lustige Party mit Highlights aus dem Barockrepertoire hat man sich nämlich lieber für die Rekonstruktion einer Vesper entschieden, wie sie zu Zeiten Claudio Monteverdis möglicherweise im Markusdom zu Venedig zu erleben gewesen wäre. Seit 1613 bekleidete Monteverdi dort das Amt als „magister capellae cantus ecclesiasticus Sancti Marci“. Und nicht zuletzt die epochale Architektur, die das virtuose Konzertieren zwischen den Vokalsolisten und Instrumentalisten ermöglichte, schlug sich auch in seiner „Marienvesper“ (1610) sowie in dem großen Konvolut „Selva morale e spirituale“ (1641) nieder. Aus beiden Publikationen hat Alessandrini die entsprechenden Höhepunkte herausgepickt, um mit zusätzlichen Bläsersonaten von Giovanni Gabrieli und Francesco Usper eben zu einer imaginären Feierstunde unter Leitung Monteverdis einzuladen.
Den Markusdom konnte Alessandrini mit seinem wie gewohnt unprätentiös auftrumpfendem, die gesamte Bandbreite von bewegender Einkehr bis hin zum majestätischen Strömen aufbietenden Musikerteam zwar nicht bespielen. Dafür konnte man in die akustisch gleichermaßen beeindruckende Basilica Santa Barbara in Mantua ausweichen, die von den Gonzagas erbaut wurde, bei denen Monteverdi bis zur Übersiedlung nach Venedig in Lohn und Brot stand. Nun taucht man also mit handverlesenen Hymnen, Motetten, Antiphonen, Psalmsätzen und einem Magnificat ab bzw. hinein in die schönsten und erbaulichsten geistlichen Klangräume des frühen 17. Jahrhunderts. Und zusammen mit Sängersolisten, die das Gütige und das Tröstende dieser Werke lebendig machen, hat Alessandrini sich bzw. seinem Concerto Italiano ein schönes Geschenk gemacht. Dagegen fällt leider die Bonus-DVD etwas ab, die vorrangig nur die Aufnahmesessions dokumentiert.

Guido Fischer, 06.09.2014



Diese CD können Sie kaufen bei:



Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Werk und Biografie: Immer wieder führt dieses Spannungsfeld zu Einsichten in Komponistenleben, die Rätsel aufgeben oder einen zumindest staunen machen. Nikolai Mjaskowski zum Beispiel kam aus einer russischen Offiziersfamilie, ging auf die Kadettenschule, später auf die Petersburger Akademie für militärisches Ingenieurwesen und wurde anschließend, wie sein Vater, Offizier. Daneben aber komponierte er, und dieses Oeuvre hat mit Drill und militärischer Strenge so gar nichts zu tun. […] mehr »


Top