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Nicola Porpora

„Il Maestro“ – Arien

Franco Fagioli, Academia Montis Regalis, Alessandro De Marchi

naïve/Indigo 994272
(80 Min., 6/2013)

Mit einem Riesensatz springt die von Alessandro De Marchi vorangepeitschte Academia Montis Regalis in die ersten Takte der neuen Einspielung des argentinischen Countertenors Franco Fagioli. Und mit diesem Trompeten- und Streicherdrive hat man schon beim Hörer gewonnen. Doch da ist ja eben noch die Hauptperson. In der Rolle des römischen Kaisers Valentiniano, der nicht gerade gut auf den Feldherr Ezio zu sprechen ist, zieht Fagioli alle brillanten Register, um des Potentaten Macht in himmlischen Farben leuchten zu lassen. Ganz unbekannt ist dieses Geschichte natürlich nicht. Immerhin haben auch Händel und Gluck das „Ezio“-Libretto von Metastasio vertont. Aber schon 1728 hatte sich Nicola Porpora dem Stoff gewidmet. Und obwohl Fagioli nun lediglich eine Arie aus Porporas „Ezio“ präsentiert, liefert er damit schon den schlagenden Beweis, dass der Neapolitaner heute zu Unrecht nur als Lehrer der Kastraten-Superstars Carestini, Farinelli und Caffarelli wahrgenommen wird.
Überhaupt ist Fagiolis Album mehr als nur ein Plädoyer für den unterschätzen Komponisten von Opern, Kantaten und sogar eines Weihnachtoratoriums mit dem Titel „Il verbo in carne“ (1748). Unter dem vollen Arien-Dutzend, mit dem Fagioli Porpora hochleben lässt, gibt es nichts, was einfach auf nur virtuoseste Koloraturenakrobatik setzen würde. Alle Freudenjauchzer und melancholischen Lamenti, alle auch lautmalerisch inszenierten stürmischen Attacken (bitte anschnallen: „Già si desta la tempesta“) und jedes noch so sehnsuchtsvolle Flehen besitzt genau diese Zauberformel, aus der große Barockmusik wird. Und Franco Fagioli hat sie diese nicht nur dechiffriert, sondern gemeinsam mit der Academia Montis Regalis und Alessandro De Marchi mit allerreichstem Leben gefüllt.

Guido Fischer, 04.10.2014



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