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Wolfgang Amadeus Mozart

Klarinettenkonzert, Klarinettenquintett

Matthias Schorn, Minetti Quartett, Innviertler Symphony Orchestra, Nicholas Milton

CAvi/harmonia mundi CAVI 8553246
(58 Min., 8 & 9/2012)

Eine sehr solide, insgesamt recht konventionelle Einspielung der beiden Klarinetten-Paradestücke von Mozart – der Solist Matthias Schorn kann mit seinem fraglos ausgesprochen schönen Ton und seiner hervorragenden Technik nicht alles wettmachen, was im Zusammenspiel mit seinem Umfeld in puncto Differenziertheit versäumt wird. So kommt etwa der Streichersatz im Klarinettenquintett eindeutig besser zur Geltung, wenn er vibratoarm (so in Sharon Kams Einspielung des Stücks) oder gar vibratofrei (bei Charles Neidich), dafür aber in einer fast barocken Weise sprechend musiziert wird. Motive werden dort immer wieder zu aussagekräftigen Gesten mit all den Folgen, die eine solche Interpretationshaltung hat: Ein Motiv beginnt und endet prägnant und bedeutungsvoll wie eine gesprochene Aussage; wird es sequenzartig wiederholt, dann ändert es durch die Wiederholungen hindurch seine Farbe, seine Intensität, seine innere Zielgerichtetheit. Wenn der Satz sich harmonisch eintrübt, dann modifiziert sich auch das Timbre der Instrumente (besonders eindrucksvoll in der Neidich-Einspielung beim zweiten Thema des ersten Satzes). All dies geschieht in der vorliegenden Einspielung viel zu wenig, und so hören wir zwar schöne Musik schön gespielt, aber sie packt, sie fesselt uns nicht auf einer tiefen, existentiellen Ebene.
Zu harte Kritik an einer durchaus reizvollen Einspielung, zudem an einer Live-Produktion? Nun ja, es handelt sich um sehr populäre Stücke, deren Aufnahmen sich stets einer großen Konkurrenz zu stellen haben. Da kommt es auf jede Nuance an. Man vergleiche den Beginn des zweiten Satzes vom Klarinettenkonzert: Matthias Schorn versteht dort wahrlich zu zaubern, ganz aus dem Piano erhebt sich der zarte Melodienbeginn – ein gelungener Einstieg. Was könnte man besser machen? In Sharon Kams Einspielung werden wir sogleich fündig: Wieviel konturierter führt das Orchester an diesem Satzbeginn seine Begleitfiguren aus, wie effektiv unterstützt es selbst auf Basis einfachster Motivik die Intention der Solistin! In der vorliegenden Einspielung klingt der Begleitapparat verwaschener, unschärfer und dadurch eher lethargisch statt aufmerksam-gespannt. Das sind die unüberhörbaren Unterschiede.

Michael Wersin, 01.11.2014



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