Es gibt wohl keinen Librettisten, dessen Werke häufiger in Musik gesetzt wurden als Pietro Metastasio: 20, 30, auch 50 oder gar noch mehr Vertonungen lassen sich von einigen seiner Dramen zählen. "Siroe" fällt eher in die Gruppe der weniger populären Vorlagen; wenn überhaupt, ist Händels Version die bekannteste. Doch so anspruchsvoll dessen Oper auch geraten ist, im Vergleich mit dem, was Johann Adolf Hasse den Sängern in seinem "Siroe" abverlangt, wirkt es wie "Hänschen klein". Üblicherweise gönnen Barock-Komponisten den Darstellern eine zwar vorteilhafte, aber doch noch nicht alles darbietende Präsentation im ersten Akt, um dann im zweiten Akt zuzulegen. Nicht so Hasse. Der fordert von jedem Sänger gleich in der jeweiligen Auftrittsarie ein Maximum, im Falle von Laodice grenzt das ans Unsingbare. Hasses Schülerin Elisabeth Teyber, der die Partie einen glänzenden Start in eine große Karriere bescherte, muss ein wahres Stimmwunder gewesen sein, nur gut, dass in dieser Aufnahme mit Julia Lezhneva eine ebensolche Vokalgranate zur Verfügung steht. Mary-Ellen Nesi als Emira fällt da leider ab, zwar ist sie eine versierte Technikerin, ihrem Sopran ist aber ein ordentlicher Löffel Essig beigemischt, und der ist der Grund, warum es bei dieser Einspielung nicht zu fünf Wertungspunkten reicht. Schlicht grandios dagegen die beiden so unterschiedlichen Countertenöre Max Emanuel Cencic – eher schlank in der Tongebung – und der im Klang breitere, auch pathetischere Franco Fagioli. Doch auch Lauren Snouffer und Juan Sancho leisten Beachtliches und tragen ihren Teil dazu bei, dass Opernfans sich künftig an Hasses "Siroe" halten werden.

Michael Blümke, 29.11.2014



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