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Emmerich Kálmán, Hermann Leopoldi, Viktor Ullmann, Hanns Eisler u.a.

As Dreams Fall Apart (Jüdische Bühnen- und Filmsongs 1925 - 1955)

New Budapest Orpheum Society

Cedille/Naxos CDR90000151
(96 Min., 3/2014) 2 CDs

Die Karikatur auf dem Cover sagt schon vieles: Ein Pianist sitzt auf einer Theaterbühne am ziemlich ramponierten Flügel. Hinter ihm zeigt ein Wegweiser in drei Richtungen: Wien, New York oder Buchenwald. Gezeichnet hat sie Hermann Leopoldi, seines Zeichens österreichische Varieté-Legende, selbsternannter „Klavierhumorist“ – und Jude. Und mit den drei Stationen hatte er noch einmal seinen Lebensweg nachgezeichnet, der im Gegensatz zu vielen vergleichbaren Schicksalen jener Zeit ein Happy End hatte. Der gebürtige Wiener wurde nach Buchenwald deportiert. 1939 wurde er quasi „freigekauft“ und konnte nach New York ausreisen, wo er eine neue Karriere startete. Nach dem Krieg gelang es ihm, in seiner Heimatstadt an die alten Erfolge anzuknüpfen. So weit eine von einigen Komponisten-Biografien, die man nach dem Hören dieser äußerst unterhaltsamen wie zwangsläufig auch nachdenklich machenden Anthologie nachschlagen muss. Im Mittelpunkt stehen nämlich handverlesene, zum Teil heute völlig vergessene jüdische Musiker, die mit ihren Operetten-, Film- und Caféhaus-Melodien im alten Europa bzw. in der neuen Welt für reichlich Amüsement gesorgt haben. Dazu zählen namhafte Allrounder wie Erich Wolfgang Korngold und Hanns Eisler, aber auch ein gewisser Avrom Brudno sowie Viktor Ullmann, der 1944 in Auschwitz ermordet wurde.
Zusammengestellt und einspielt hat dieses Programm die in den USA ansässige New Budapest Orpheum Society – hinter der ein achtköpfiges Ensemble steckt, das mit allen Wasser gewaschen ist, um die Songs mit Schmalz und Schmelz, Pfiff und Pfeffer, Komik und Klamauk hochleben zu lassen. Besonders Bariton Stewart Figa entpuppt sich als ein Entertainer vor dem Herrn, der etwa in den zündenden und humorigen Liedern (u.a. „I bin a stiller Zecher“ von Hermann Leopoldi) zu Hochform aufläuft. Dann wieder schiebt er mit einem jiddischen Liebeslied, das der gebürtige New Yorker Abraham Ellstein 1938 für den Streifen „Mamele“ komponiert hat, dahinschmachtend übers Parkett. Den Abschluss dieser Zeitreise, die zum Glück ganz und gar immun gegen jeglichen Klezmer-Kitsch und überzuckerte Klarinetten-Säuseleien geblieben ist, bildet mit „Die Ruinen von Berlin“ ein Song von Friedrich Holländer – bei dem über all die Erinnerungen nur hinweggetanzt wird.

Guido Fischer, 28.03.2015



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