Responsive image
Guillaume de Machaut

The Dart Of Love

The Orlando Consort

Hyperion/Note 1 CDA68008
(65 Min., 1/2013)

Es lebe der Historismus: Dank dieser eigenartigen Geisteshaltung können wir heute eine Musik wie diejenige Guillaume de Machauts, die uns in jeder Hinsicht fremder kaum sein könnte, so selbstverständlich wie auf dieser CD zum Erklingen bringen und als Hörer auch noch genießen. Wir weichen an dieser Stelle der Diskussion darüber aus, ob der Historismus Ursache oder bloß Folge der nicht minder eigenartigen Elfenbeinturm-Position der zeitgenössischen klassischen Musik ist, und versenken uns stattdessen in die Welt der Balladen, Rondeaus, Virelais und mehrtextigen Motetten jenes Klerikers und Schöngeistes, der im 14. Jahrhundert als Poet und Komponist breite Wirkung entfaltete: So berühmt war er schon zu Lebzeiten, dass wir mit seinem Namen eine große Zahl von Werken in Verbindung bringen können – keine Selbstverständlichkeit für einen Meister des Hochmittelalters.
Aufnahmen von Machaut-Werken sind heute keine wirkliche Seltenheit mehr. Hervorstechendes Merkmal der Herangehensweise des „Orlando Consort“ ist indes, dass man stimmliche Qualität mit beherzt-markantem Zugriff auf die komplexen Melodien zu verbinden versteht. Namentlich der Oberstimmen-Sänger Matthew Venner verleiht den Machautschen Kantilenen mit der reizvollen Farbe seines Countertenors auf brillante Weise Leben; nicht minder ambitioniert tut dies auch der hervorragende Tenor Mark Dobell, wenn er gelegentlich die obere Stimme singt. Höchst beweglich ist stets außerdem der „Untergrund“, der – häufig auf Tonsilben – mit unbestechlicher Treffsicherheit durch sehr sauber intonierte (immer wieder mit Terzen angereicherte) Quart-Quintklänge schweift. Eine fulminant virtuose Darbietung!

Michael Wersin, 13.06.2015



Diese CD können Sie kaufen bei:


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Eine Panzerdivision war es, mit der die Briten vor genau einhundert Jahren, vom 20. November bis 3. Dezember 1917, vor Cambrai einen Durchbruch durch die deutschen Stellungen schafften. Die grausame Realität des Krieges in den Schützengräben der Westfront hatte der 1914 noch begeistert ausgerückten Jugend jede Siegesrhetorik ausgetrieben. Mitten unter ihnen: Der englische Dichter Wilfred Owen, der die Erlebnisse in seiner Lyrik verarbeitet, bis er eine Woche vor Kriegsende in Frankreich […] mehr »


Top