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Johann Bach, Johann Christoph Bach, Johann Michael Bach

Motetten

Vox Luminis, Lionel Meunier

Ricercar/Note 1 RIC 347
(141 Min., 9/2013, 5 &11/2014) 2 CDs

Drei Mitglieder der weit verzweigten Bach-Dynastie – der älteste aus der Großvater-Generation Johann Sebastians, die beiden anderen aus der Vater-Generation – wecken beim Hörer dieser Doppelbox helle Freude durch ihre Motettenkunst. Es ist allein vor dem Hintergrund der stilistischen Weiterentwicklung, dass sie alle anders komponierten als später ihr berühmter Nachfahre. Nichtsdestotrotz faszinieren diese Bachs, besonders die beiden jüngeren, mit ihrem Einfallsreichtum auf sämtlichen Ebenen des Satzes; und sie verstanden es, ihre Kreativität umfassend in den Dienst des Wortes zu stellen. An diesem Schnittpunkt zwischen Theologie und Musik blitzt unzählige Male mit aller Deutlichkeit das Genie des kommenden auf …
Nun ist es freilich Unfug, die Musik jener Bache vor allem retrospektiv aus der Perspektive Johann Sebastians zu betrachten: Schließlich haben Johann, Johann Christoph und Johann Michael ja nicht auf etwas hinkomponiert, sondern einfach so komponiert, wie sie es konnten und wussten. Und gerade der Vollzug dieses Perspektivenwechsels ist vielleicht das Großartigste, was einem beim Hören dieser Musik widerfahren kann: Es waren da Leute in dieser Dynastie, die hinsichtlich ihres Könnens und ihrer Originalität ohne weiteres vergleichbar sind mit Schütz oder Buxtehude.
Damit diese Qualitäten zum Vorschein kommen, braucht es eine niveauvolle Interpretation. Diese zu bieten dürfen sich die Musiker von „Vox Luminis“ unter Leitung von Lionel Meunier rühmen: Die Sänger dieser Formation bieten ein nachhaltig beglückendes Übermaß an Kompetenz auf allen Ebenen. Der Text kommt perfekt zur Geltung, eine reine Intonation gelingt mit großer Selbstverständlichkeit, und die schiere Schönheit des stets völlig ausgewogen klingenden Satzes ist vom ersten bis zum letzten Ton ein Faszinosum. Etwas Besseres als diese schlichtweg vollkommene Einspielung hätte den Bachs nicht passieren können.

Michael Wersin, 20.06.2015



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