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Guillaume Lekeu

Les fleurs pâles du souvenir … (Complete Works)

Philippe Hirshhorn, Jean-Claude Vanden Eynden Luc Dewez, Daniel Blumenthal, Greta de Reyghere, Guy de Mey, Domus, Quatuor Camerata, Orchestre Philharmonique de Liège u.a.

Ricercar/Note 1 RIC 351
(590 Min., 1987 - 1994) 8 CDs

Die Begeisterung setzt mit den, ersten Tönen ein: Es ist nicht ungeschickt, dass Herausgeber Jérôme Lejeune die grandios effektvolle Violinsonate Lekeus, sein bekanntestes Werk, an den Anfang dieser Sammlung gestellt hat. In der gleichermaßen ausgefeilten wie bombastisch leidenschaftlichen Darbietung durch Philippe Hirshhorn und Jean-Claude Vanden Eynden überrollt das Stück den Hörer sogleich mit Urgewalt.
Freilich lässt sich innerhalb der Gesamtaufnahme der Werke eines mit 24 Jahren Verstorbenen dieses hohe „materielle“ Niveau nicht durchgehend halten: Es gibt eine Reihe kleinerer Werke, die nicht sonderlich viel Aufsehen erregen. Aber keine der acht CDs dieser Box enthält nicht auch wahre Höhepunkte: Der „Épithalame“ (ein Hochzeitsstück) für Orgel und Orchester, gespielt von Bernard Foccroulle und dem Orchestre Philharmonique de Liège, ist ebenso eine Entdeckung wie die Cello-Sonate in f-Moll oder die Rompreis-Kantate „Andromède“.
Das über einen Zeitraum von acht Jahren verwirklichte Aufnahmeprojekt ist ein „Liebhaberstück“ von Ricercar-Labelgründer und Gambist Jérôme Lejeune: Sein eigener ausführlicher und informativer Beihefttext ist Beleg für seine große Liebe zu Guillaume Lekeus Musik. Offenbar ist es ihm, dessen Interessen man ja ansonsten eher im Bereich der Alten Musik verortet, gelungen, auch Freunde und Kollegen für diese Sache zu begeistern: Wir erleben auf diesen CDs skurrilerweise Greta de Reyghere oder Guy de Mey mit hochromantischer Musik. Aber warum nicht einmal in fremderen Gärten ernten? Das ganze Projekt ist doch irgendwie nebenbei auch ein Plädoyer gegen das Fachidiotentum. Wir genießen also die faszinierende Musik des verhinderten Fin-de-siècle-Komponisten Guillaume Lekeu (sein Leben endete tragisch früh im Jahre 1894) in den nun vorliegenden hochkompetenten bis soliden Aufnahmen nun immerhin vollständig – ein großer Gewinn für den Musikmarkt.

Michael Wersin, 25.07.2015



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