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Big Band Boom

Metro, WDR Big Band

Jazzline/Delta Music N77021
(59 Min., 9/2013)

Die WDR Big Band verfügt über einen breiten Erfahrungsschatz im Umgang mit Jazzrock-Ikonen. 2003 nahmen die Kölner ein Album mit den Brecker Brothers auf, 2006 trafen sie auf Joe Zawinul, 2008 machten sie mit dem Miles-Davis-Saxofonisten Bill Evans gemeinsame Sache. Die Zusammenarbeit mit der Band Metro, die sich weit nach dem großen Fusion-Boom in den 90er Jahren gründete, stellt nun einen kleinen Höhepunkt in der orchestralen Auseinandersetzung mit dem Jazzrock-Genre dar.
Der Grund dafür liegt, so seltsam es klingt, in dem vermeintlich leichtgewichtigen Ausgangsmaterial. Metro ließ die Fans instrumentaltechnischen Virtuosentums oftmals etwas ratlos zurück, weil das aus dem Gitarristen Chuck Loeb, dem Keyboarder Mitchel Forman und dem Schlagzeuger Wolfgang Haffner bestehende Kern-Trio in seinen Stücken gerne die Nähe zum unverbindlich Smoothen zuließ. Nun aber, in Kombination mit Michael Abenes Arrangements, offenbaren diese Kompositionen eine erstaunliche Tiefe und Weite.
Auf „Big Band Boom“ trifft das um E-Bassist Nicolas Fiszman und Percussionist Roland Peil zum Quintett erweiterte Metro-Stammteam auf 14 Bläser der WDR Big Band. Die dürfen zwar dann und wann durchaus knackige Satzarbeit im Phenix-Horns-Stil verrichten und wissen mit Tenorist Paul Heller einen im Geiste von Michael Brecker nach vorne preschenden Solisten in ihren Reihen, werden im Großen und Ganzen aber eher fusionuntypisch eingesetzt. Die oftmals auf Flötensamt gebetteten Bläserflächen verleihen den hochmelodiösen, die Nähe zum Pop oder zu Weather-Report-Ohrwürmern suchenden Metro-Stücken eine an Gil Evans gemahnende Sophistication.
Diese still funkelnde Musikalität passt bestens zu den filigranen und extrem punktgenauen Solo-Exkursen von Loeb und Forman sowie der schlagzeugerischen Uhrmacher-Groove-Präzision Haffners. Big Band und Jazzrock-Quintett verschmelzen somit perfekt. Das ist Fusion im wahrsten Sinne des Wortes.

Josef Engels, 08.08.2015



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