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César Franck, Claude Debussy

Symphonie en ré mineur, Images pour orchestre (3ème livre)

San Francisco Symphony Orchestra, Pierre Monteux

Preiser/Naxos 90563
(69 Min., 1950, 1951) 1 CD

Der Dirigent Günter Wand reagierte in seinen letzten Lebensjahren angesichts seines hohen Alters oft mit Verärgerung auf Versuche, ihn für mehr als ein oder zwei Jahr im Voraus zu buchen. Ganz anders der humorvolle Pierre Monteux: Ihm saß wohl der Schalk im Nacken, als er im Alter von 86 Jahren das London Symphony Orchestra mit der Bedingung übernahm, einen Vertrag mit 25-jähriger Laufzeit einschließlich der Option auf Verlängerung zu bekommen (leider verstarb er dann "schon" mit 89). Zum Zeitpunkt der vorliegenden Aufnahmen mit dem San Francisco Symphony Orchestra, dessen akustisches Erscheinungsbild der gebürtige Pariser 16 Jahre lang prägte, war er erst schlappe 75 Jahre alt - und präsentiert sich agiler und aufgeweckter als so mancher wesentlich jüngere Kollege: So abgespielt César Francks Sinfonie in d-Moll auch sein mag, unter Monteux’ Stabführung hört man sie vom ersten Takt an ganz neu. Wer könnte die Violinmelodie, die sich nach geheimnisvollem Beginn der langsamen Einleitung zum ersten Satz über dem Fundament der tieferen Streicher und der Bläser entfaltet, elektrisierender gestalten, wem gelängen die kurz darauf zu hörenden Streicher-Tremoli aufregender? Beim Beginn des "Allegro non troppo" hat Monteux, der bis heute schmählich Unterschätzte und Unterrepräsentierte, den Hörer schon restlos für seine Interpretationskunst eingenommen - und von nun an erlebt das überaus inspirierte und differenzierte, in jedem Augenblick aufs Neue faszinierende Spiel mit dem romantischen Farbenrepertoire des Orchesters einen Höhepunkt nach dem anderen. Kein Wunder, dass die Musiker des San Francisco Symphonie Orchestra ihren Maestro abgöttisch liebten.
Nicht minder begeisternd gelang Monteux und seinem Ensemble ein Jahr später das dritte Buch der "Images pour Orchestre" von Claude Debussy: Die Klangsinnlichkeit, die Monteux auf der Basis einer nicht etwa gefällig glatten, sondern erregt-aufgerauten Musizierweise erreicht, ist in ihrer Wirkung nur vergleichbar mit den besten französischen Einspielungen jener Zeit, etwa mit derjenigen des Debussy-Freundes Désiré-Émile Inghelbrecht mit dem Symphonieorchester des französischen Rundfunks (1954, Testament).

Michael Wersin, 14.02.2004



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