Responsive image
Leo Ornstein

Klavierquintett op. 92, Streichquartett Nr. 2 op. 99

Marc-André Hamelin, Pacifica Quartet

Hyperion/Note 1 CDA68084
(72 Min., 4/2014)

Es ist für den vielfältigst mit Musik Beschäftigten eine fesselnde Erfahrung, wenn ihn ein Werk oder ein Stil ganz unmittelbar und urtümlich zu beeindrucken, ja zu überwältigen vermag. So ging es dem Rezensenten mit den hier versammelten Werken von Leo Ornstein, den er bisher nur namentlich kannte: Ornsteins polytonal-dissonantes, im Klavierquintett von vollgriffig-energiegeladenem Tastendonner befeuertes Idiom entfesselt durch seine schiere Wucht elementare Kräfte, beeindruckt aber auch durch die schmerzhaft kompromisslose Dichte seiner extrem effektvoll gesetzten Harmonien. Was diese Werke satztechnisch und überhaupt auch substantiell enthalten, wäre Gegenstand gründlicherer Untersuchung, aber zunächst lassen wir uns durch ihren expressionistischen Ausdruck gern in den Bann schlagen.
Dies wird nicht zuletzt ermöglicht durch die vollkommen reibungsfreie, ganz der Musik hingegebene Zusammenarbeit zwischen Marc-André Hamelin und dem Pacifica Quartet. Hamelin ist angesichts des klotzig-virtuosen, „super-Bartók-mäßigen“ Klaviersatzes des Quintetts ganz in seinem Element: Seine hochentwickelte Fähigkeit, auch bedrohlichst aufgetürmte Akkordfolgen immer gleichzeitig horizontal zu lesen, also ihre einzelnen Stimmen linear zu verfolgen, bringt den Klaviersatz zu bestmöglicher klanglicher Geltung. Die Streicher des Pacifica Quartet agieren mit wie auch ohne Hamelin mit faszinierender Homogenität auf avanciertestem Interpretationsniveau. Eine Aufnahme, die folglich nur mit Superlativen angemessen beschrieben werden kann.

Michael Wersin, 19.09.2015



Diese CD können Sie kaufen bei:


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Werk und Biografie: Immer wieder führt dieses Spannungsfeld zu Einsichten in Komponistenleben, die Rätsel aufgeben oder einen zumindest staunen machen. Nikolai Mjaskowski zum Beispiel kam aus einer russischen Offiziersfamilie, ging auf die Kadettenschule, später auf die Petersburger Akademie für militärisches Ingenieurwesen und wurde anschließend, wie sein Vater, Offizier. Daneben aber komponierte er, und dieses Oeuvre hat mit Drill und militärischer Strenge so gar nichts zu tun. […] mehr »


Top