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Johann Sebastian Bach

Orgelwerke

Masaaki Suzuki

BIS/Klassik Center Kassel BISSACD-2111
(79 Min., 7/2014) SACD

Mit seiner Einspielung der Bach-Kantaten hat Masaaki Suzuki vor allem in der Alten Musik-Szene reichlich Begeisterung ausgelöst. Doch dieser „japanische Nikolaus Harnoncourt“ ist darüber hinaus nicht nur Ensemblegründer, sondern von Hause aus eigentlich Organist. Und dieser seiner ersten Passion widmet sich Suzuki immer wieder sporadisch. Nach seiner Einspielung von Orgelwerken Buxtehudes ist Suzuki ins niederländische Groningen gereist, um an der historischen, aber in den 1970ern grundlegend restaurierten Schnittger/Hinz-Orgel der Martinikerk Bach einzuspielen.
Die Wahl für dieses Instrument, das Ende des 17. Jahrhunderts gebaut wurde, erwies sich als goldrichtig. Sein Klangcharakter reicht vom zartesten Leuchten über unforciert wirkende Bässe bis hin zum prachtvollen, aber stets Haltung bewahrenden Plenum. So ideal die Orgel für diese Barockmusik ist, so vorbildlich wurde sie ebenfalls von den Mikrofonen in Szene gesetzt. Und weil Suzuki eben kein Hobbyorganist ist, sondern neben den spieltechnisch unlimitierten Möglichkeiten vor allem über die notwendige Sachkenntnis verfügt, um dieses Bach-Panorama in seinen unterschiedlichsten Facetten auszubreiten, darf man von einer mehr als gelungenen Einspielung sprechen. Da macht es auch nichts, dass das Repertoire vorrangig aus absoluten Bach-Klassikern besteht – angefangen vom d-Moll-Doppelpaar „Toccata und Fuge“ über die viersätzige, am Corellischen Schema angelegte Pastorale F-Dur BWV 590 und die französische Fantasie G-Dur BWV 572 bis hin zu der vom Bach-Biografen Spitta als „zweisätzige Symphonie“ charakterisierten Präludium und Fuge e-Moll BWV 548. Und was Suzuki hier an bestechender kultivierter Differenzierungskunst und zugleich packender wie anregender „Aussage“ bietet, trifft in Variationen überhaupt für das gesamte Recital zu. Sollte hiermit vielleicht der Startschuss für eine Gesamtaufnahme des Bachschen Orgelwerkes gefallen sein? Es wäre zu wünschen.

Guido Fischer, 03.10.2015



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