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Francis Poulenc

Klavierkonzert S 146, Konzert für zwei Klaviere und Orchester d-Moll, Aubade

Louis Lortie, Hélène Mercier, BBC Philharmonic, Edward Gardner

Chandos/Note 1 CHAN 10875
(72 Min., 4/2015)

In seiner konzertanten Musik für Klavier würzt Francis Poulenc sein collageartiges, auf Basis der bunten Mischung unterschiedlichster Stilkopien zur Groteske neigendes musikalisches Idiom mit einer gehörigen Portion pianistischer Virtuosität. Es heißt, er selbst sei ein hervorragender Pianist gewesen, was durch die überlieferten Einspielungen eigener Werke indes nicht unbedingt bestätigt wird. Vielmehr entfaltete Poulencs konzertante Klaviermusik ihren vollen Reiz erst durch das Engagement anderer hervorragender Pianisten. Ein Meilenstein waren diesbezüglich die Einspielungen von Jean-Philippe Collard und Franҫois-René Duchable, die vor allem die solistische Virtuosität dieser faszinierenden, atemberaubend umtriebigen Musik zum Vorschein brachten. Im Vergleich dazu präsentiert Louis Lortie nun eine etwas andere Sicht des Klavierkonzerts und der Ballettmusik „Aubade“: In der vorliegenden Aufnahme spielt sich das Klavier nicht so selbstbewusst in den Vordergrund wie bei der genannten älteren Produktion, sondern mischt sich stärker in den Orchesterklang, der unter der umsichtigen Stabführung von Edward Gardner nun seinerseits auf sehr differenzierte Weise seine Reize und Effekte zur Geltung bringt. Lortie hat mit Hélène Mercier ferner eine ebenbürtige Partnerin für das Konzert für zwei Klaviere, mit der er perfekt harmoniert.
Das Programm wird sinnvoll ergänzt durch drei Werke für zwei Klaviere bzw. Klavier zu vier Händen: Mit der Sonate von 1918 schrieb sich der damals 19-jährige Komponist frei von impressionistischen und klassizistischen Vorbildern. Sehr stimmungsvoll sind die „Élégie“ von 1959 und „L’Embarquement pour Cythère“ von 1951, zwei sehr persönlich geprägte Werke Poulencs, deren erstes einem die melancholische, deren zweites einem die unkompliziert fröhliche Seite seines Wesens jeweils in Reinform nahezubringen vermögen.

Michael Wersin, 17.10.2015



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