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John Adams

Absolute Jest, Grand Pianola Music

Orli Shaham, Marc-André Hamelin, Synergy Vocals, St. Lawrence String Quartet, San Francisco Symphony Orchestra, John Adams, Michael Tilson Thomas

SFS/Edel 1000632AV2
(58 Min., 5/2013, 1/2015)

Im Booklet zur Aufnahme zweier Werke spricht sich der amerikanische Postminimalist John Adams nicht nur gegen die „Kälte“ von moderner Musik aus. Zugleich erneuert er sein unerschütterliches Bekenntnis zur Tonalität. Damit versucht er zumindest denjenigen schon mal den Wind aus den Segeln zu nehmen, die sich jetzt an seinem jüngeren Orchesterstück „Absolute Jest“ stoßen werden. Und in der Tat ist das 2012 vom Auftraggeber, von der San Francisco Symphony unter Leitung ihres Chefdirigenten Michael Tilson Thomas, uraufgeführte Werk nicht mehr als nur eine banale Beethoven-Verbeugung. Dabei spricht noch nicht einmal die harmonisch sich durchweg ins Ohr schmiegende Klangsprache dagegen. Und selbst wenn Adams mit dem fast halbstündigen Stück für Streichquartett und Orchester die Gegenwart von allen Unarten der Neuen Musik befreien wollte – geschenkt. Aber wenn eine Komposition im 21. Jahrhundert eigentlich von Beginn an auf den Wiedererkennungswert der prominenten Klangzitate setzt, ohne wirklich – wie etwa Wolfgang Rihm bei seinen Brahms-Reflexionen „Nähe fern“ – aus dem Schatten des Altvertrauten und des pseudomodern Verbrauchten zu treten, ist die Luft schnell raus. Da kann auch der immerhin extrem virtuos aufgestellte, im Breitwand-Sound heftig dauerpulsierende und rhythmisch rotierende Umgang mit Beethoven-Scherzi u.a. aus der 7. Sinfonie und den Streichquartetten opp. 131 & 135 nicht viel retten. Im Gegenteil. Die Maßlosigkeit einer im Grunde inhaltsleeren Dauerbeschallung macht aus dieser Collage einen Klangerinnerungsraum, in den man kein zweites Mal geraten möchte. Trotz Michael Tilson Thomas und der grandios aufgelegten San Francisco Symphony. Wenigstens blieb noch Platz für Adams´ „Grand Pianola Music“, die 1982 von dem Orchester uraufgeführt und jetzt vom Komponisten dirigiert wurde. Mit dem doppelt besetzten Klavier (u.a. mit Marc-André Hamelin) wird der Blick zwar erneut auf Beethoven, diesmal u.a. auf sein 5. Klavierkonzert und die Chorfantasie, gelenkt. Aber Adams lässt daraus Hymnisches emporwachsen, das einfach nur umwerfend kitschig schön ist.

Guido Fischer, 24.10.2015



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