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Johann Sebastian Bach

Magnificat Es-Dur, Kantate BWV 63

Dunedin Consort, John Butt

Linn/Naxos CKD469
(7/2014) 78 CDs, SACD

Nicht nur die regelmäßigen Sonntagsgottesdienste, sondern u.a. auch Festtagsvespern hatte Bach in Leipzig zu gestalten – wir wissen ja, dass u.a. seine Passionen in solchen Veranstaltungen zur Aufführung gelangten. John Butt und sein Dunedin Consort haben es nun unternommen, eine Weihnachtsvesper (so wie Bach sie in seinem ersten LeipzigerJahr 1723 gestaltet haben könnte) zu rekonstruieren. Und somit hören wir den Meister hier eine Gabrieli-Motette aus der damals präsenten Bodenschatzsammlung aufführen und Choralvorspiele über Weihnachtslieder „improvisieren“ (zum Glück hat er sie danach aufgeschrieben). Hinzu kommen die Kantate BWV 63 und das Magnificat in einer Es-Dur-Version.
Die genannte Kantate „Christen, ätzet diesen Tag“ durfte ich gerade in RONDO 6/2015 im Rahmen eines Interpretationsvergleichs vorstellen – leider kam die vorliegende Einspielung zu spät, um dort noch berücksichtigt zu werden. Sie setzt auf Basis der zupackenden Art, die John Butt zu eigen ist, noch einmal neue Akzente vor dem Hintergrund der bereits existenten Aufnahmen-Riege: Eingangs- und Schlusschor kommen hier mit einer schmetternden Kraft und mitreißenden Wucht daher, die ihresgleichen sucht – dabei kommt die Eleganz und die tänzerisch differenzierte Gewichtung der Dreiertakte dennoch niemals zu kurz! Unter den Solisten sticht Bassist Matthew Brook durch die herrliche Fülle seines Materials hervor.
Unter diesen Bedingungen kann auch das bekannte Magnificat in seiner gleißend hellen Es-Dur-Fassung nur eine Freude sein – diese Erwartung bestätigt sich beim Hören: Die Chöre in doppelter Vokalbesetzung haben wir noch nie so leidenschaftlich und zupackend gesungen wie gespielt gehört. „Et exsultavit“ mit Joanne Lunn oder „Quia respexit“ mit Julia Doyle begeistern uneingeschränkt, weil sich auch im solistischen Bereich der Gestus des Zupackens fortsetzt: Historisierend Musizieren bedeutet (gerade bei Butt) mit sehr kleinen Besetzungen zu spielen, aber es bedeutet nicht, völlig vibratolos und schüchtern an der Textaussage vorbeizuzwitschern. Das ist sehr, sehr wohltuend.

Michael Wersin, 28.11.2015



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