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Joseph Haydn, Antonio Vivaldi, Giovanni Benedetto Platti

Giovincello (Cellokonzerte)

Edgar Moreau, Il Pomo d´Oro, Riccardo Minasi

Erato/Warner 2564605266
(80 Min., 1/2015)

Auch mit seinen 21 Jahren sieht der französische Cellist Edgar Moreau so aus, als hätte er bis zu den Abi-Klausuren noch zwei, drei Jahre Zeit. Doch das Jungenhafte, Unschuldige täuscht. Denn wenn man sich die Liste der musikalischen Sparringspartner von Moreau anschaut (Valery Gergiev, Khatia Buniatishvili, Renaud Capuçon), scheint er bereits vielsprechend im Geschäft. Dass er aber erst am Anfang einer langen Karriere steht, beweist er jetzt mit seiner zweiten CD überhaupt und – nach dem kammermusikalischen Potpourri „Play“ (2014) – der ersten Solokonzerteinspielung. Auf dem Programm stehen mit Haydns 1. Cellokonzert sowie jeweils einem Concerto von Vivaldi und Boccherini die üblichen Verdächtigen. Dazu kommen ein Werk des von Sol Gabetta erst richtig wiederentdeckten Venezianers Giovanni Battista Platti sowie – als Weltersteinspielung – ein den Geist der deutsch-österreichischen Klassik aufgreifender Dreisätzer von Carlo Graziani. Schon auf dem Notenpapier dieser Ausgrabung mag es technisch wild und schweißtreibend anspruchsvoll zugehen. Und was macht Moreau? Er spielt ohne Limit. Im Finalsatz etwa gerät er selbst beim angeschlagenen Höllentempo nicht außer Atem, sondern liefert sich mit dem gleichermaßen unforciert auftrumpfenden Ensemble Il Pomo d´Oro ein tolles Wettrennen und streut nebenbei tänzerischen Elan und dämonisch wirkende Doppelgriff-Effekte ein. Dass Moreau so gar keine Musikermaschine ist, sondern ein bemerkenswert früh gereifter Musiker aus Fleisch und Blut, zeigt er mit verführerisch schönstem, innig-kantablem Spiel aber auch im vorausgehenden langsamen Satz. Wobei nicht zuletzt die akkompagnierenden Holzbläsergesänge eine Ahnung davon geben, was der Musikwelt an Mozarts nicht komponiertem Cello-Konzert entgangen ist. Auf insgesamt 15 Sätze kommen die fünf Cellokonzerte. Und in jedem ist man einfach nur erstaunt, mit welcher strömenden Tonfülle und verspielten Lockerheit, mit welchem anstachelnden Temperament und welcher Flexibilität im Ausdruck sich Moreau auf seinem David Tecchler-Cello aus dem Jahr 1711 bewegt. Dass er darüber hinaus sich mit Dirigent Riccardo Minasi und den Musikern von Il Pomo d´Oro die Bälle so zuspielt, als würde man schon ein halbes Leben lang miteinander musizieren, macht diese Cello-Aufnahme endgültig zu einem Glücksfall.

Guido Fischer, 28.11.2015



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