Responsive image

Christmas Soul

Barbara Dennerlein

MPS/Edel 0210561MS1
(65 Min., 7/2015)

Weihnachtsalben gehören zum Unvermeidlichen in Musikerkarrieren. Bei Barbara Dennerlein gibt es aber durchaus einen persönlichen Grund, sich der Alle-Jahre-wieder-Lieder anzunehmen: Ein Weihnachtsgeschenk zum elften Geburtstag brachte sie seinerzeit erst auf den Geschmack. Aus der einmanualigen elektronischen Orgel unter dem Weihnachtsbaum wurde bald eine ehrfurchtsgebietende Hammond B3 – und aus der Münchnerin die international bekannteste Jazzmusikerin aus deutschen Landen.
Daher ist es nicht verwunderlich, dass an „Christmas Soul“ Musiker aus aller Herren Länder beteiligt sind. Der Schwede Magnus Lindgren übernahm die Arrangements, schrieb sich Bläsersätze für Tenorsax und Flöte und griff für Soli auch mal zur Klarinette. Die englische Jazzsängerin Zara McFarlane lieh drei Stücken ihre unpathetische, an Nina Simone gemahnende Stimme. Der italienische NuJazz-Feingeist Nicola Conte war zuständig für die Produktion, auf der Barbara Dennerlein auf ihrem Instrument alle Register vom rauchigen Blues über den gleißenden Swing bis hin zum fauchenden Soul ziehen darf.
Das Ergebnis, an dem auch der italienische Bassist Luca Alemanno, der finnische Perkussionist Abdissa Assefa und der schwedische Drummer Robert Ikiz beteiligt waren, ist weihnachtsuntypisch heiß geraten. Miles Davis' „Blue Christmas“ köchelt vor sich hin wie ein saftiger Gänsebraten im Ofen, „Sleigh Ride“ klingt wie eine unveröffentlichte Nummer aus den goldenen Tagen von Motown, „We Three Kings“ könnte einer Rare-Groove-Compilation entsprungen sein, „White Christmas“ schließlich mit seiner dezenten Latin-Percussion, der halluzinierenden Flöte und der schwülen Hammond würde sich auch gut im Soundtrack der 60ies-Serie „Mad Men“ machen. Man möchte cocktailbeschwipst mitschnipsen und dem Weihnachtsmann eine Zigarette anstecken.
Kurz: Mit dieser CD, die sich gut neben Jimmy Smiths „Christmas '64“-Album im Plattenregal macht, wird einem nicht nur warm ums Herz.

Josef Engels, 05.12.2015



Diese CD können Sie kaufen bei:



Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Musik vom Land, statt Musikland: Wenn man sich die britische Musikgeschichte so anschaut, scheint an tatkräftigen Stimmen aus den eigenen Reihen zwischen Henry Purcell und Edward Elgar ein riesiges Loch zu klaffen. Ein Loch, in dem sich vor allem zugereiste Berühmtheiten tummelten, von Händel und Haydn über Mendelssohn bis Weber – die sich übrigens in London alle pudelwohl fühlten! Die Rede vom „Land ohne Musik“ ist ein geflügeltes Wort, seit Oscar Schmitz 1904 seinen Aufsatz zu […] mehr »


Top