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Blue Whisper

Amina Figarova

In & Out/in-akustik 020771282
(63 Min., 2/2015)

Zwei Stücke auf der neuen CD der aus Aserbaidschan stammenden Pianistin Amina Figarova wurden vom „Jazz At Lincoln Center“ für die Serie „New Standards“ in Auftrag gegeben. Das passt. Denn auch die anderen Kompositionen auf „Blue Whisper“ fügen sich perfekt in den konservativen Ansatz von Wynton Marsalis' Traditionspflegestätte ein.
Figarova evoziert mit ihrer Musik, die sie einer Rhythmusgruppe und einer samtweichen Trompete-Flöte-Saxofon-Bläsersektion auf den Klangkörper geschrieben hat, lauter feine Erinnerungen an die Vergangenheit. Zu den Bezugspunkten zählen unter anderem das Capitol Orchestra, das Miles Davis bei den „Birth Of The Cool“-Sessions hinter sich wusste („Juno“), der latininfizierte Hardbop eines Horace Silver („Moving Upwards“) oder, und das ist dann schon etwas überraschender, der nervöse Funk des M-Base-Kollektivs („The Hustler“).
Während vor allem Saxofonist Wayne Escoffery den trotz ihrer Komplexität stets nachvollziehbar wirkenden Nummern ordentlich Pfeffer in die Partitur bläst, tut sich die Bandleaderin als umsichtige Solistin hervor. Anders als ihre Landsmännin Aziza Mustafa Zadeh hält Figarova nichts von der fingerfertigen Zurschaustellung ihrer klassischen Klavierausbildung. Hier und da zeigt sie, wie unabhängig bei ihr rechte und linke Hand voneinander agieren können; aber das geschieht ohne triumphierende Geste.
Ohnehin scheint Sanftmut ein entschiedenes Anliegen der in Manhattan lebenden Pianistin und Komponistin zu sein. Ähnlich wie bei den letzten Alben von Ambrose Akinmusire, Marcus Miller und Robert Glasper lässt auch Figarova bei einem Stück ein Kind zu Wort kommen, das ein Statement für Gewaltfreiheit abgibt. Unschuldige Kinderstimmen – das ist offenbar ein neuer gut gemeinter, aber arg plakativ wirkender Trend im Jazz. Er muss nicht unbedingt Geschichte machen.

Josef Engels, 09.01.2016



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