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Samuel Scheidt

Ludi Musici

L’Achéron

Ricercar/Note 1 RIC 360
(68 Min., 4/2015)

Die frühbarocke Neubefruchtung der deutschen Musiklandschaft einerseits durch die aus Italien herüberdringenden stilistischen Innovationen, andererseits durch das erstarkende Luthertum mit seinen speziellen musikalischen Herausforderungen hat eine Menge vom Schönsten initiiert, was wir heute noch (bzw. wieder) als Erbe unserer Vorväter musizieren und genießen können. Dass dieses Erbe nicht nur vorzügliche Vokalmusik, sondern auch großartige Instrumentalmusik enthält, beweisen Sammlungen wie die auf dieser CD vorgestellte: Samuel Scheidts 1621 im Druck erschienene Sammlung von Paduanen, Galliarden, Couranten, Allemanden etc., von Tanzsätzen also, die formal englisch beeinflusst, in puncto Spielfreude und Lust am Konzertieren jedoch auch italienisch geprägt sind. Die Sammlung von 1621 ist eines von insgesamt vier Opera, aber die letzten drei sind ganz oder teilweise verschollen. Welch ein Glück es ist, dass wenigstens eine der Sammlungen erhalten blieb, führen uns eindrücklich die Musiker des Ensembles L’Achéron vor Ohren – wobei ihre Darbietung nicht einfach als Wiedergabe der in Scheidts Stimmbüchern zu findenden Töne missverstanden werden darf: Um die Stücke optimal besetzen zu können, wurden zunächst einige neue Gambeninstrumente angeschafft. Auf dieser inspirierenden Basis ist es dann gerade die hochsensible Art des Musizierens – mal kräftig zupackend, mal ungeheuer zart, mal forsch vorandrängend, mal agogisch frei, samt aller Zwischenstufen, die innerhalb dieser Extreme Platz haben –, durch sich die vorliegende Interpretation auszeichnet. Sie lebt vom stupenden Können jedes einzelnen der beteiligten Musiker und von einer musikalischen Vision, die man wohl auf Basis des Materials entwickeln konnte; viele der Stücke sind wahre Lustgärten an abwechslungsreicher Klangpracht und fein herausgearbeiteter melodischer wie harmonischer Raffinesse.

Michael Wersin, 09.01.2016



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