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Henry Purcell

The Indian Queen

Julia Bullock, Nadine Koutcher, Vince Yi, MusicAeterna, Chor Perm, Teodor Currentzis, Peter Sellars (Regie) u.a.

Sony Classical 88875049519
(198 Min., 11/2013) 2 DVDs

Henry Purcells unvollendet gebliebene Semi-Opera „The Indian Queen“ kommt gerade einmal auf rund 50 Minuten Spielzeit. Für die Neuinszenierung am Madrider Opernhaus hatte Regisseur Peter Sellars 2013 aber nun eine Fassung zusammengestellt, die über drei Stunden dauerte. Hinzugefügt hatte Sellars zahlreiche weltliche und geistliche Vokalwerke Purcells sowie für das Libretto Ausschnitte aus einem Roman der zeitgenössischen nicaraguanischen Schriftstellerin Rosario Aguilar. Wie im Original, das in Lateinamerika spielt, dreht sich zwar weiterhin alles um Krieg und Leidenschaften. Doch bei Sellars sind solche Konflikte nicht historisch, sondern brandaktuell. Und so verlegt er seine modernisierte „Indian Queen“ nicht nur in die jüngste Vergangenheit, in der jene Landstriche unter schweres Feuer gerieten und zum Spielball weltpolitischer Kämpfe wurden. Wie in vielen seiner vergleichbar angelegten Operninszenierungen richtet er den Fokus auf die Rolle der Frau als ständiges Opfer männlicher Machtgelüste. Um dabei die ganze Dramatik und Tragik zu verdeutlichen, baut Sellars eine riesige Fallhöhe auf. So inszeniert er zwischen der Prinzessin Teculihuatzin und dem spanischen Eroberer Alvarado eine herzzerreißend idyllische Liebesbeziehung, die allen politischen Stürmen zu trotzen scheint. Und überhaupt herrscht zumeist ein auch spirituell aufgeladenes Klima, das sich oftmals in sehnsuchtsvoll verklärenden Blicken aufs Göttliche im Irdischen äußert.
Aber in dem auch opulent-sinnlichen Bühnentreiben, für das der amerikanische Graffiti-Künstler Gronk mit seinem Ethno-Dekors und Choreograf Christopher Williams sorgen, kommt es eben immer wieder zu harten Kontrasten. Zwischen der friedvoll auftretenden Bevölkerung, die fast etwas Sektenhaftes besitzt, und der schonungslos mordenden Armee. Nicht zuletzt die gesprochenen Textpassagen aus dem Roman der Feministin Aguilar mögen darüber hinaus immer wieder für gewisse Längen sorgen. Dafür sind Dirigent Teodor Currentzis sowie sein komplettes MusicAeterna-Team in Höchstform, wenn es gerade um das wertvolle Innenleben von Purcells Anthems geht. Aus dem Sängerteam ragt als Diener Countertenor Vince Yi mit seiner großartig leuchtenden Stimme heraus. Doch auch Sopran Julia Bullock als Teculihuatzin sowie Tenor Noah Stewart als Alvarado lassen mit ihrer ganzen stimmschauspielerischen Klasse keinen Zweifel daran, dass sie Sellars´ Ideen und Formensprache absolut verinnerlicht haben.

Guido Fischer, 20.02.2016



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