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Franz Schubert, Wolfgang Amadeus Mozart, Edvard Grieg

Klaviersonaten D 784, 894, 958-960, KV 283 u.a.

Elisabeth Leonskaja, Svjatoslav Richter

eaSonus/harmonia mundi EAS 29300
(239 Min., 1993, 2015) 4 CDs + DVD CDs

Als Elisabeth Leonskaja 1979 bei den Salzburger Festspielen gastierte, ging ihr Stern endlich auch im Westen auf. Denn in der Sowjetunion war sie nicht nur längst eine Berühmtheit. Gerade in Svjatoslav Richter hatte sie einen ihrer größten Verehrer. Und schnell entwickelte sich zwischen ihnen auch eine musikalisch fruchtbare Freundschaft. So sorgte man gemeinsam Anfang der 1990er Jahre für Erstaunen, als man ausgewählte Mozart-Sonaten in der kaum bekannten, vierhändigen Fassung von Edvard Grieg einspielte. Jetzt ist das seelenverwandte Klavierduo Leonskaja/Richter mit genau diesen Repertoire-Raritäten in einem wiederentdeckten Livemitschnitt auch zu sehen. Am 26. Juli 1993 entstand die technisch nicht heutigen Standards entsprechende Aufnahme im Rahmen eines Moskauer Konzerts und lässt einen an einem herzlich bis innig verbundenen Klavierspiel teilhaben.
Diese DVD ist Teil eines aufwendig aufgemachten CD-Buchs im LP-Format, mit dem der gebürtigen Georgierin Elisabeth Leonskaja nachträglich zu ihrem 70. Geburtstag gratuliert wird. Neben einem umfangreichen Text- und Fototeil, der noch einmal auf die Karriere dieser großen, sympathisch uneitlen Pianistin zurückblickt, gibt es gleich vier CDs mit brandneuen Schubert-Aufnahmen. 2015 spielte Leonskaja in Berlin die späten acht Sonatenwürfe von Schubert ein, angefangen bei der a-Moll-Sonate D 784 bis zu den pianistischen Schwanengesängen D 958-960. Und wenngleich Leonskaja immer wieder betont hat, wie übergroß Richters Einfluss gewesen ist, so setzt sie sich auch bei ihrer neuerlichen Begegnung mit diesem vertrauten Repertoire von seinem Schubert-Bild durchaus ab. Während Richter stets das Entsetzen über das irdische Dasein aus Schubert sprechen ließ, blickt Leonskaja etwa bei einem ihrer Paradestücke, bei Schuberts großer B-Dur-Sonate, nicht hoffnungslos und schaudernd in den Abgrund. Auf das existenziell Bedrohliche, das ständig in dieser Klaviermusik mitschwingt und auch bei ihr nicht ganz ausgeblendet wird, reagiert sie oftmals mit einem versöhnlich-lächelnden Dolce-Klang. Überhaupt ist es diese Balance aus Gelöstheit und Achtsamkeit, aus Freudvollem und Verletzlichkeit, aus beglückender Hingabe und konzentrierter Wucht, mit der sich Leonskaja durch die Schubertschen Empfindungswelten bewegt und zeigt, dass man bei aller Schwere des Seins keinesfalls den Glauben an die Leichtigkeit des Seins verlieren sollte.

Guido Fischer, 12.03.2016



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