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Perpetual Gateways

Ed Motta

MustHaveJazz/Membran 234111
(50 Min., 9/2015)

Spätestens mit seinem 2013 erschienenen Westcoast-Meisterwerk „AOR“ konnte der brasilianische Sänger, Keyboarder und Komponist Ed Motta seinen Geheimtipp-Status einbüßen. Dort, wo der internationale Durchbruch aufhörte, setzt jetzt das inzwischen 12. Studioalbum des musikalischen Schwergewichts wieder ein.
„Captain's Refusal“, die Eröffnungsnummer von „Perpetual Gateways“, klingt dermaßen nach Steely Dan, dass man sich die Ohren reiben muss – vom Intro über die verspielten Bläsersätze bis hin zum Ende mit einem Schlagzeugsolo à la Steve Gadd in „Aja“ könnte das alles glatt von Donald Fagen und Walter Becker stammen. Mit einem wichtigen Unterschied: Motta singt so, wie es Fagen nie könnte.
„Perpetual Gateways“, das in Kalifornien mit einer Reihe von amerikanischen Cracks wie Keyboarder Greg Phillinganes, Flötist Hubert Laws oder Schlagzeuger Marvin „Smitty“ Smith aufgenommen wurde, ist in erster Linie eine Feier der Vokalkunst des brasilianischen Baritons. Motta trägt viel von Donny Hathaway, Al Jarreau und dem ein oder anderen Jazzcrooner in den Stimmbändern. Scheinbar anstrengungslos nutzt er dieses Geschenk, um damit Balladen wie „Forgotten Nickname“ wie eine Supernova zum Strahlen zu bringen oder im Vocalese-Stil von Eddie Jefferson lässige Silben- und Scatakrobatik („I Remember Julie“) zu betreiben.
Wobei: Eigentlich handelt es sich bei der Aufnahme ja um zwei Platten. Während die erste Hälfte konsequent im Steely-Dan-Stil mit wabernden Rhodes gehalten ist, entpuppt sich die zweite Hälfte als Jazzangelegenheit, die mit Hardbop-Bläsersätzen und soulpoppigem Gesang irgendwo in den frühen 60er Jahren angesiedelt ist. Also ungefähr dort, wo schon Gregory Porter sein Glück gefunden hat.
Ein Zufall ist das nicht: Kamau Kenyatta, der Produzent von „Perpetual Gateways“, war auch für Porters Debütalbum zuständig. Stimmlich kann es Motta mit dem derzeitig größten Jazzgesangsliebling zweifellos aufnehmen.

Josef Engels, 19.03.2016



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