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Baldassare Vialardo, Giovanni Paolo Cima, Ignazio Donati u.a.

Missa „Vestiva i colli“, Kompositionen auf das Madrigal „Vestiva i colli“

Musica Fiorita, Daniela Dolci

Pan Classics/Note 1 PC10344
(61 Min., 1/2015)

Musikgeschichte ist kein beziehungsloses Nebeneinander unterschiedlichster Einzelelaborate, sondern ein dichtes Netzwerk vielfältigster Beziehungen. Selbst ein so markanter Epochenübergang wie derjenige von der Renaissance- zur Barockzeit brachte nicht allenthalben radikale Brüche mit sich, sondern geschah unter vielfacher Bezugnahme auf älteres Musikmaterial. Die verschiedenen Parodie- und Diminutionspraktiken dieser Übergangszeit stehen im Zentrum des vorliegenden Programms: Bezugspunkt vieler der eingespielten Stücke ist Palestrinas Madrigal „Vestiva i colli“, das besonders oft zum Gegenstand von Weiterbearbeitungen wurde. Dazu gehört Baldassare Vialardos Missa „Vestiva i colli“, die hier in einer gemischt vokal-instrumentalen Besetzung (auch dies gehört zu den Merkmalen der Übergangszeit) erstmals auf CD erklingt. Darum herum sind weitere Bearbeitungen des Palestrina-Madrigals angeordnet – in der Regel andere als die schon von ähnlichen CDs her bekannten Titel: Francesco Rognonis hier mit Violine und Generalbass besetzte Version ist ebenso eine Entdeckung wie Bartolomeo de Selmas Version für Posaune und Generalbass; die jeweilige Solostimme ist ausgeziert, der Rest des Satzes mehr oder weniger akkordisch zusammengezogen.
Ergänzt wird das Programm durch kleine Concerti für Solostimmen, z. B. Giovanni Paolo Cimas „Jubilate Deo“ oder Ignazio Donatis „O gloriosa Domina“, wo gemeinsam mit dem Tenor ein Zink konzertiert. Die Besetzung des Ensembles „Musica Fiorita“ ist u.a. mit Miriam Feuersinger und Hans Jörg Mammel sowie William Dongois und Simen van Mechelen – um einige der erfahrenen Kräfte pars pro toto zu nennen – prominent besetzt, was sich in der Qualität der Wiedergabe niederschlägt: Man musiziert konzentriert und klangsinnig, bemüht um Verschmelzung der Farben (in der Messe gelegentlich etwas zu sehr) sowie um prägnante Präsentation der virtuosen Passagen. Eine Bereicherung.

Michael Wersin, 02.04.2016



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