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True Stories

Jazz Big Band Graz

Natango Music/Galileo MC NAT47614
(69 Min., 7/2015)

Mit „True Stories“ beendet die Jazz Big Band Graz (JBBG) eine Plattentrilogie, die das österreichische Ensemble zunächst ins Reich zeitgenössischer Club-Electronic und Spoken-Word-Coolness („Electric Poetry“, 2008), dann in die Gefilde orchestraler Weltmusik („Urban Folktales“, 2012) führte.
Der Beginn von „True Stories“ macht deutlich: Nun sind die Österreicher und ihre internationalen Gefährten wieder heimgekehrt. In der „Ouverture“ ist Mahler zu hören und auch ein bisschen Volksmusik; jedenfalls meint man, die Sonne über den Alpen aufgehen zu sehen. Doch die Verbeugung vor der österreichischen Musikkultur erweist sich als hübsche Finte – der weitere Verlauf von „True Stories“ zeigt nämlich, dass sich die von Horst-Michael Schaffer und Heinrich von Kalnein angeführte JBBG so gut wie überall heimisch fühlt.
„Shall I Compare Thee To A Summer's Day“ verknüpft ein von Sänger und Komponist Schaffer wie ein Pop-Song dargebotenes Shakespeare-Sonett mit einem angedeuteten Afrogroove in 6/8. Hat man sich daran gewöhnt, wird man mit „Bones Bash“ hinterrücks in eine alptraumhafte Welt gestoßen, in der es gespenstisch schnauft und eine Bassklarinette ihr Unwesen treibt. „Time“ kombiniert dann eine raunende Erzählerstimme mit Miles-Davis-Allusionen aus der „Tutu“-Zeit, Clicks & Cuts und effektvoll-minimalistischen Bass-Patterns.
„Delayed“ fängt an wie eine Grußkarte an Jean-Michel Jarre oder Tangerine Dream, um dem JBBG-Gast Sebastian Studnitzky an der Trompete die Gelegenheit zu geben, sich als würdiger Wiedergänger Palle Mikkelborgs zu präsentieren. Und nach dem 17-minütigen Abschlussstück „Vertigo“, das in einem süßen Schwindel spanische Folklore, armenische Hirtenflöten, Snarky Puppy und einen verlangsamten Plattler zum gemeinsamen Schweben bringt, dürfte endgültig klar sein: Die JBBG zeigt, wie eine moderne Bigband klingen kann, ja vielleicht muss.

Josef Engels, 16.04.2016



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