Responsive image
Joseph Haydn

Sinfonien Nr. 78 - 81

Ottavio Dantone, Accademia Bizantina

Decca/Universal 478 8837
(104 Min., 7 & 9/2015) 2 CDs

Eigentlich hätte man gehofft, dass man den Spitznamen „Papa Haydn“ nicht mehr so schnell zu lesen bekommt. Im Fall der Einspielung vier reifer, aber schändlicherweise wenig gespielter Sinfonien hat sich nicht nur Dirigent Ottavio Dantone in seinen Begleitzeilen wieder zu dieser Formulierung hinreißen lassen, die das wahre Bild von Haydn lange Zeit verniedlichend beschädigt hatte. Tatsächlich gibt es im Booklet da auch noch ein Foto, auf dem ein kleines Mädchen mit Teddybär dem Orchester und „Papa Haydn“ zuhört. Glücklicherweise ist das musikalische Resultat so gar nicht klischeebesetzt. Ganz im Gegenteil. Mit seiner Accademia Bizantina fühlt Dantone den vier, zwischen 1782 und 1784 entstandenen Sinfonien Nr. 78 bis 81 mit einer Lust und Neugier auf den Zahn, dass man durchweg von den geistvollen Überraschungen, humorigen Einlagen und Stimmungskontrasten gepackt bleibt.
Die aber vielleicht größte Leistung dabei ist die Art und Weise, wie die Musiker auf ihren historischen Instrumenten den unerschöpflichen Ideenreichtum von Haydn offenbaren. Da werden nicht etwa effektvoll geschliffen die strukturellen und klanglichen Erneuerungen dieser Partituren herausgearbeitet, konturiert. Stattdessen greift hier wie selbstverständlich auch ein großes Räderwerk ins kleine und umgekehrt. Wie im Eröffnungssatz etwa der d-Moll-Sinfonie Nr. 80, bei der der Sturm- und-Drang-Furor immer wieder von einem kleinen Tänzchen ausgehebelt wird. Und auch in solchen Momenten spürt und hört man, mit welcher unbändigen Lust die Musiker sich auf Haydns vergnügliche Intellektualität eingelassen haben.

Guido Fischer, 23.04.2016



Diese CD können Sie kaufen bei:



Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Werk und Biografie: Immer wieder führt dieses Spannungsfeld zu Einsichten in Komponistenleben, die Rätsel aufgeben oder einen zumindest staunen machen. Nikolai Mjaskowski zum Beispiel kam aus einer russischen Offiziersfamilie, ging auf die Kadettenschule, später auf die Petersburger Akademie für militärisches Ingenieurwesen und wurde anschließend, wie sein Vater, Offizier. Daneben aber komponierte er, und dieses Oeuvre hat mit Drill und militärischer Strenge so gar nichts zu tun. […] mehr »


Top