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Emmanuel Nunes, Alfred Zimmerlin, Morton Feldman, Helmut Lachenmann

Streichquartette

Arditti Quartet

Bonitz MN/harmonia mundi BMN20159
(69 Min., 12/2015) CD + Bluray

Wenn das Arditti Quartet einem Förderer der Neuen Musik ein Geburtstagsständchen darbringt, fällt ein Quartettabend zwangsläufig ganz besonders aus. So geschehen am 1. Dezember 2015, als man im Rahmen der renommierten Basler Kammermusikkonzert-Reihe dem Schweizer Dirigenten und Komponisten Jürg Wyttenbach zum 80. Geburtstag gratulierte. Auf dem Programm standen Werke von Emmanuel Nunes, Morton Feldman und Helmut Lachenmann und damit von drei Komponisten, von denen die Ardittis 1994 unter der Leitung von Wyttenbach Konzerte für Streichquartett und Orchester gespielt hatten. Hinzu kam das brandneue 4. Streichquartett von Wyttenbachs Landsmann Alfred Zimmerlin, der für den feierlichen Anlass noch eine kleine Überraschung in sein eigentlich viersätziges Opus eingebaut hatte. „Fatrasie. Hommage à Jürg Wyttenbach“ lautet die nicht mal zweiminütige Miniatur, für die Zimmerlin auf einen absurden französischen Text aus dem 13. Jahrhundert zurückgegriffen hat. Zu den jetzt durchaus von Ferne an ein Volkslied erinnernden, eigenwilligen Rhythmen tummeln sich die vier Streicher durch ein bizarres Wort-Ton-Labyrinth – das aber trotz seiner augenzwinkernden Haltung wieder ein sehr gutes Beispiel dafür ist, dass Musik und Humor nicht immer zueinander finden müssen.
Immerhin anhand der „Hauptsätze“ von Zimmerlins Streichquartett zeigt das Arditti Quartet auf gewohnt spektakulärem Niveau, dass in der kammermusikalischen Königsklasse weiterhin auf- und anregend elementarste Klangsignale neu entdeckt und erforscht werden. Die von Zimmerlin ausgemachten Klangleuchtspuren, ultrazarten Tonfäden und geheimnisvolle Impulse, die wie aus der Tiefseeregion der zeitgenössischen Musik zu stammen scheinen, begegnen einem aber auch stets in den drei anderen Werken. Dem von den Ardittis 1992 uraufgeführten, sich nahezu in einer Dauer-Unruhe befindlichen Teilstück „Chessed III“ aus Emmanuel Nunes´ Zyklus „Die Schöpfung“ liegt ein Text der Kabbala zugrunde. „Soft as possible“ lautet die Spielanweisung des 1951 uraufgeführten Quartetts „Structures“ von Morton Feldman – und selbstverständlich lösen die Ardittis diesen Schwierigkeitsgrad nicht nur ein, sondern entfachen ein wahres Feuerwerk in den Piano- bis Pianissimo-Grenzbereichen. Und die geräuschhaften Subtilitäten und Ausnahmezustände in Helmut Lachenmanns 3. Streichquartett „Grido“ hat das Ensemble seit dem Uraufführungsjahr 2001 sowieso schon längst verinnerlicht.

Guido Fischer, 30.04.2016



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