Offiziell fiel die Geburtsstunde der Bamberger Symphoniker auf den 22. März 1946. Damals hieß man beim ersten Konzertauftritt zwar noch „Bamberger Tonkünstlerorchester“. Doch drei Monate später nahm man jenen Namen an, unter dem man seitdem auch im Ausland als eines der besten deutschen Orchester bekannt ist. Passend zum 70-jährigen Bestehen ist eine umfangreiche Box mit Aufnahmen nahezu sämtlicher Chefdirigenten und bedeutender Gastdirigenten erschienen. Doch leider klärt nicht einmal der Booklet-Text darüber auf, warum der schottische Dirigent James Loughran keinerlei Rolle auch in dieser Zusammenstellung spielt. Immerhin war Loughran zwischen 1979 und 1983 Leiter der Bamberger. Dass dagegen die Aufnahmenserie bereits im Kriegsjahr 1940 startet, deutet auf ein Geschichtsbewusstsein hin, das auch dunkle Flecken benennt. Das ehemals vom späteren langjährigen Chefdirigenten Joseph Keilberth geleitete Deutsche Philharmonische Orchester Prag, das u.a. in einer Welterstveröffentlichung mit Mozarts „Prager“ Sinfonie zu hören ist, bildete die eigentliche Urformation der späteren Bamberger Symphoniker.
Aus dem beachtlichen Berg an Einspielungen, die im Laufe der sieben Jahrzehnte für die unterschiedlichsten Labels entstanden sind, ragen zweifelsohne die jetzt veröffentlichten nicht allein heraus, sie geben vielmehr auch einen exemplarischen Einblick in die Orchesterkultur, die sich bis heute zu ihren Wurzeln im legendären böhmischen, ungemein melosreichen Klang bekennt und die mit ihrem jetzt scheidenden Chefdirigenten Jonathan Nott Maßstäbe bei den Mahler-Sinfonien gesetzt hat. Und dass die Schallplattengeschichte der Bamberger voller Trümpfe ist, belegen etwa Wilhelm Kempff mit dem Klavierkonzert Nr. 24 von Mozart, Horst Stein mit Brahms und natürlich der Bruckner-Dirigent Günter Wand.

Guido Fischer, 07.05.2016



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