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Francesco Cavalli

Sospiri d’amore (Arien und Duette aus Opern)

Giulia Semenzato, Raffaele Pe, La Venexiana, Claudio Cavina

Glossa/Note 1 GCD920940
(60 Min., 12/2015)

La Venexiana, die mit Madrigalen der Spätrenaissance und des Frühbarock zu Ruhm gelangte Gruppe, dringt nun mit Opernrepertoire vor bis in die zweite Hälfte des 17. Jahrhunderts: Francesco Cavalli (1602-1676), musikalischer Zögling Claudio Monteverdis und später einer der ersten international gefeierten Opernkomponisten, rückt ins Blickfeld des Interesses des Ensembles, dessen Besetzungsliste hier freilich ganz anders lautet als bei den Madrigalbuch-Produktionen der Vergangenheit. Mit Giulia Semenzato (Sopran) und Raffaele Pe (Alt) hat Cavina zwei vokale Protagonisten verpflichtet, die mit einem breiten Ausdrucksspektrum auf der Basis eines je ganz individuell reizvollen, gut durchgebildeten Stimmmaterials monodisch zu bezaubern vermögen. Vibrato ist dabei kein Tabu, sondern vor allem bei Frau Semenzato eher der Normalfall – die Philosophie der „Historisierenden“ hat sich in diesem Punkt gründlich geändert. Raffaele Pe fasziniert durch die Leichtigkeit seines Ansatzes und durch die Beweglichkeit, mit der er durch die durchaus verzweigten Kantilenen steuert: Cavallis Opern markieren eine wichtige Station auf dem Wege zur hochbarocken Arie à la Händel; Virtuosität, bei Monteverdi noch stets affektbedingte Ausnahme, ist bei Cavalli schon eher ein Dauerreiz. Kein Wunder – in der Zeit seines Wirkens wurden Opernhäuser geradezu aus dem Boden gestampft, die neue Gattung wurde zur Unterhaltungsmusik für ein immer breiteres Publikum. Wie auch immer – bis zur „Casta diva“ ist es freilich noch ein weiter Weg. Aber warum Italien in Sachen Oper von Anfang an eine tonangebende Vormachtstellung hatte, macht dieses Programm – repertoiremäßig ein „missing link“ zwischen Monteverdi und Scarlatti – unmissverständlich klar.

Michael Wersin, 04.06.2016



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