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Henry Purcell, Christoph Graupner, Francesco Cavalli u.a.

Serpent & Fire (Arien für Dido & Kleopatra)

Anna Prohaska, Il Giardino Armonico, Giovanni Antonini

Alpha/Note 1 ALP250
(70 Min., 12/2015)

Kleopatra gab es bekanntermaßen wirklich. Dido dagegen ist eine frei erfundene und nicht zuletzt von Vergil derart inspirierend porträtierte Figur, dass Henry Purcell sie zur tragischen Titelfigur seiner einzigen Oper „Dido and Aeneas“ machte. Die ägyptische Königin Kleopatra und ihre Amtskollegin von Karthago, sie stehen also nun im Mittelpunkt eines reizvollen Programms, das die österreichische Sopranistin und Repertoire-Allrounderin Anna Prohaska bereits Ende letzten Jahres in deutschen Konzertsälen vorgestellt hat. Und auch bei der CD-Produktion hat sie sich nun mit dem weiterhin exquisiten Originalklangkollektiv Il Giardino Armonico unter Leitung seines Mitbegründers Giovanni Antonini zusammengetan. Obwohl Kleopatra und Dido in der Barockoper dank ihrer Auftritte in Georg Friedrich Händels „Giulio Cesare in Egitto“ bzw. eben bei Purcell einen führenden Platz einnehmen, ist man doch durchaus erstaunt, wer diese beiden noch so verewigt hat. Christoph Graupner hat Dido ebenso eine ganze Oper gewidmet wie Francesco Cavalli. Und unter den komponierenden Kleopatra-Fans des 17. und 18. Jahrhunderts finden sich Johann Adolf Hasse sowie die beiden Italiener Daniele da Castrovillari und Antonio Sartorio.
Auf steilen Gefühlsachterbahnen, bei denen der Absturz nicht selten ausgespart wird (Stichwort: das berühmte „Dido“-Lamento bei Purcell), befindet sich dementsprechend Anna Prohaska in diesem durchweg handverlesenen und abwechslungsreich zusammengestellten Recital. Und es ist schon erstaunlich, mit welcher Entschlossenheit und Versiertheit sie in die Rollen hineinfährt, um sie ohne aufgesetzte Leidensmienen und Liebesfreudenjauchzern zum Leben zu erwecken. Konturen- und farbenreich, mal sanft in sich gekehrt und dann wieder seelenverletzt aus der Haut fahrend – das alles gelingt Prohaska mit ihrer schon mal nuancenreich ins magische Halbdunkel entfliehenden Stimme mit großem Geschmack und Anteilnahme. Und auch über die große Strecke, wie in der siebenminütigen Arie „Se pietà di me non senti´“ aus Händels „Giulio Cesare“, kann sie die nötige Spannung halten – wenngleich hier vielleicht etwas zu sehr auf Kosten des Dolce. Für den nötigen sanften Wohlklang sorgt aus dem Hintergrund dafür Il Giardino Armonico – bevor man zwischendurch mit gehörigem Drive und furiosem Funkenschlag so manche rein instrumentalen Theatermusiken einstreut, die der Engländer Matthew Locke für Shakespeares „Der Sturm“ komponiert hatte. Wer auch solche Seiten der barocken Bühnenwelt kennenlernen will, der nimmt daher die Einladung dazu von Prohaska & Co. ohne Zögern an.

Guido Fischer, 18.06.2016



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