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Jan Dismas Zelenka

Missa Divi Xaverii, Litaniae de Sancto Xaverio

Collegium 1704, Collegium Vocale 1704, Václav Luks

Accent/Note 1 ACC 24301
(72 Min., 11/2015)

So manches ist von Jan Dismas Zelenka, dem großen, unterschätzten Zeitgenossen Bachs, in der jüngeren Vergangenheit endlich zu größerer Popularität gelangt. Aber sein Messordinarium sowie seine Litanei zum Fest des heiligen Xaver, komponiert 1729 in Dresden, dürfte bisher kaum jemand gekannt haben. Erst jetzt erscheint auch bei Bärenreiter die von Václav Luks edierte Partitur der Messe samt Aufführungsmaterial. Kein leichtes Unterfangen, das Stück wieder spielbar zu machen: Die originalen Stimmen gingen verloren, und die autografe Partitur ist gelegentlich nicht eindeutig zu dechiffrieren.
Luks und seine Zelenka-erprobten Kräfte – allen voran Hana Blažiková, die sich mittlerweile geradezu zu einer Zelenka-Spezialistin entwickelt – widmen sich der Musik mit der diesem Ensemble eigenen gediegenen klanglichen Weichheit, die einerseits edel, andererseits hier und da ein wenig langweilig daherkommt. Historisierend umgesetzte Partituren der Barockzeit sollten ja eigentlich konturierter und kontrastreicher im Klang sein, aber Luks schafft es immer wieder, auf Basis von interpretatorisch-technischer Vollkommenheit, die wir durchaus genießen, auch eine gewisse Gleichförmigkeit zu produzieren. Vielleicht wird er damit, so edel das auch klingt, der Musik von Zelenka nicht immer völlig gerecht – schließlich zeichnen sich die Partituren des in Bachs Nähe wirkenden Meisters doch auch durch eine ähnliche kontrapunktische und harmonische Dichte aus wie diejenigen des Leipziger Meisters. Hiervon hätten wir gern etwas mehr gehört.

Michael Wersin, 02.07.2016



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