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Dmitri Schostakowitsch

Sinfonien Nr. 5, 8 & 9; Hamlet-Suite (Ausschnitte)

Andris Nelsons, Boston Symphony Orchestra

DG/Universal 479 5201
(158 Min., 10 & 11/2015, 2 & 3/2016) 2 CDs

Amerikanische Top-Orchester und Schostakowitsch – das passt schon seit einer halben Ewigkeit einfach zusammen. Denn die Luxusklangkörper von San Francisco über Philadelphia bis Boston lassen keine Gelegenheit aus, das Kaleidoskopische und Effektvolle, Kontrastreiche und Detailverliebte von Schostakowitschs Orchestermusik in Tiefe und Breite sowie in aller Brillanz auszuspielen. Dementsprechend kommt denn auch der zweite Teil der geplanten Gesamteinspielung der Sinfonien durch Andris Nelsons und sein Boston Symphony Orchestra so ziemlich ohne Fehl und Tadel daher, was die unmittelbare Publikums- bzw. CD-Hörer-Ansprache angeht. Die aus den 1930er und 1940er Jahren stammenden Sinfonien Nr. 5, 8 und 9 stehen für Schostakowitschs Künstlerdasein im Schatten Stalins. Und gerade die Fünfte und die Achte bilden angesichts der opportunistischen bzw. erschütternd aufgewühlten Haltung ein Gegensatzpaar, das die Zerrissenheit des Komponisten noch einmal auf den Punkt bringt. Im Kontrast aber zu seinem großen Lehrer und bedeutendem Schostakowitsch-Kenner Mariss Jansons geht Nelsons mit seinem Orchester nicht dem Doppelbödigen in diesen Werken nach. Was vielmehr zählt, ist eine ungeheure Souveränität im Umgang mit dem Partiturgefüge, mit all den Straffungen, Beschleunigungen und Binnenspannungen. Bei Nelsons ist man somit bis zur jeweils letzten Note zwar nicht gefesselt, dafür aber gepackt – auch bei den Ausschnitten aus der „Hamlet“-Suite, die in bester schwungvoller Hanns Eisler-Manier ausmusiziert wird.

Guido Fischer, 23.07.2016



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