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Johann Sebastian Bach

Goldberg-Variationen

Mahan Esfahani

DG/Universal 479 5929
(79 Min., 4/2016)

Dass der iranische Cembalist Mahan Esfahani kein Freund von konfektionierten Barockprogrammen ist, hat er 2014 bei seinem CD-Debüt unter Beweis gestellt, auf dem er unter anderem den Bach-Clan mit dem Minimal Music-Guru Steve Reich kurzschloss. Auf seiner zweiten CD konzentriert er sich nun ganz und gar auf eines der größten Weltwunder, die je für Cembalo geschrieben wurden. Es sind Bachs „Goldberg-Variationen“, die spätestens seit Glenn Gould am Klavier zum Ohrwurm geworden sind. Für die Einspielung hat sich Esfahani für den Nachbau eines zweimanualigen Instruments von 1701 aus der Werkstatt des Thüringers Harraß entschieden, der über einen herrlich volltönenden Klangkörper verfügt und zugleich die Einzelstimmen dieser Klangarchitektur bewundernswert herausstellt und miteinander verbindet. Damit ist schon einer der Vorzüge dieser Aufnahme auf den Punkt gebracht. Esfahanis Stimmführungen sind durchdacht und doch – von delikat bis vorwärtsstürmend – voller Leidenschaft und Drive. Und im Lyrischen braucht er sich im Grunde nur auf die singende Seele seines Instruments zu verlassen. Viele Pluspunkte für diese Neuaufnahme also, bei der es der Solist zwischendurch mal so richtig krachen lässt – und zwar in der 16. Variation, die er mit einem Donnerschlag einläutet, als würde es sich hierbei um den lautmalerischen Fingerabdruck des Urknalls handeln.

Guido Fischer, 10.09.2016



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