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Stefano Landi

La morte d’Orfeo

Currende, Ensemble Tragicomedia, Stephen Stubbs

Pan Classics/Note 1 PC10331
(118 Min., 8/1987)

Monteverdis Zeitgenosse Stefano Landi, geboren und ausgebildet in Rom, wandte sich 1618 nach Norditalien und erhielt wohl noch im selben Jahr eine Kapellmeisterstelle in Padua. Im Jahr darauf scheint Landi seinen „Orfeo“ vorgelegt zu haben, der insofern besonders interessant ist, als er die Fortsetzung der bekannten Orfeo-Geschichte präsentiert: Nicht Euridices Tod, Orfeos Abstieg in die Unterwelt und der erneute Verlust der Geliebten sind hier Thema der Handlung, sondern Orfeos Schicksal nach diesen Ereignissen. Ein weiteres Mal steigt er in die Unterwelt hinab und trifft wieder auf Charon; er muss schließlich erkennen, dass Euridice ihn nun vergessen hat, trinkt vom Wasser der Lethe und wird in den Olymp aufgenommen.
Stephen Stubbs verwirklichte diese reizvolle Partitur, die im Gegensatz zu Monteverdis noch stark rezitativisch geprägter Stilistik mehr Ensembles teils prachtvollster Ausgestaltung enthält, im Jahre 1987 mit einem All-Star-Ensemble der damaligen Zeit: David Cordier, Michael Chance, Harry van der Kamp, Wilfrid Jochens und Johanna Koslowsky sind einige der Gesangskräfte, die zumeist in Doppelrollen auftreten, denn das Personal der Oper ist umfangreich. John Elwes singt die Titelpartie. Hinzu kommt eine nicht weniger illustre Instrumentalbesetzung. Entsprechend hoch ist das Niveau dieser beinahe vierzig Jahre alten Produktion: Sprachnahe Expressivität und Klangschönheit halten sich die Waage, nur selten stören kleine vokale Intonationstrübungen. Die Continuo-Ebene ist (verglichen mit heutigen Produktionen) nicht übermäßig raffiniert und unter Verzicht auf Show-Effekte trefflich und durchaus deklamationsstützend bzw. -fördernd gestaltet. In den Ensemblesätzen vereinen sich die Musiker zu einem wohltimbrierten, erfrischend leuchtenden Gesamtklang. Eine hörenswerte Aufnahme, die mit vollem Recht wieder aufgelegt wurde.

Michael Wersin, 10.09.2016



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