Responsive image
Carlo Gesualdo

Terzo libro di madrigali

La Compagnia del Madrigale

Glossa/Note 1 GCD922806
(63 Min., 9-11/2015)

Don Carlo Gesualdos Madrigalkunst auf dem Höhepunkt ihrer Delikatesse und Sensibilität dem Text gegenüber, aber noch nicht abgestürzt in jene depressive Dunkelheit, die neben den letzten Madrigalbüchern vor allem die Responsorien bestimmt: Man kann das „Terzo libro“, entstanden wohl Mitte der 1590er Jahre, der mittleren Schaffensphase des eigenwilligen Adligen zuordnen. Die aus politischen Motiven angebahnte Hochzeit mit Eleonora d’Este, die Gesualdo ins seinerzeit musikalisch so spektakuläre Ferrara gebracht und entsprechend tiefgreifend inspiriert hatte, war vollzogen, seine blutige Mordtat an seiner ersten Ehefrau lag erst vier Jahre zurück. Wenn Gesualdo sich am Beginn seiner neuen Ehe vielleicht auch einen persönlichen Neuanfang versprochen hatte, so markieren die auf dieser CD vertretenen Stücke einerseits seine vielleicht damit verbundene manische Schaffenskraft jener Zeit; andererseits beginnen seine Hypersensitivität und seine innere Zerrissenheit hier und da schon Spuren zu hinterlassen.
Die Sängerinnen und Sänger der „Compagnia del Madrigale“ gehen mit dieser komplexen, biografisch höchst beladenen Materie interpretatorisch sehr einfühlsam vor – und dies freilich auf Basis einer erstklassigen vokalen Disposition, so wie man sie von einer der weltbesten Madrigal-Gruppen erwarten darf. Der dichte musikalische Satz entfaltet einerseits seine volle Klangschönheit, lässt aber in dieser Darbietung andererseits stets auch die kontrapunktischen Finessen durchscheinen. Man erlebt Gesualdos Stücke ganz gattungsgemäß als durch und durch text- und affektgeneriert: Die Rede wird perfekt in Musik übertragen, der emotionale Gehalt wird – in vollkommenem Einklang mit der harmonischen Struktur, die die Musik vorgibt – durch agogische und dynamische Mittel feinsinnig zur Geltung gebracht. Eine Meisterleistung.

Michael Wersin, 05.11.2016



Diese CD können Sie kaufen bei:


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Der Cello-Horizont scheint leider ziemlich begrenzt: Die Brahms-Sonaten kennt man, die von Chopin natürlich, von Richard Strauss. Aber wer hat schon wirklich die Sonaten aus England auf dem Schirm – von Frank Bridge etwa oder Arnold Bax?! Zum Glück hat sich Cellist Johannes Moser mit seinem bewährten Partner am Klavier, Paul Rivinius, 2010 genau diesen beiden spätromantischen Kammermusikentdeckungen gewidmet und sie mit der etwas bekannteren Cellosonate von Benjamin Britten op. 65 […] mehr »


Top