Responsive image
Luigi Cherubini, Charles-Henri Plantade

Requiem c-Moll „à la mémoire de Louis XVI“, Messe des morts d-Moll „à la mémoire de Marie-Antoinette“

Le Concert Spirituel, Hervé Niquet

Alpha/Note 1 ALP251
(69 Min., 1/2016)

In zweierlei Hinsicht ist diese Einspielung zweier Totenmessen empfehlenswert: Einerseits bietet sie eine gelungene Einspielung des weithin bekannten Cherubini-Requiems in c-Moll, andererseits präsentiert sie mit Charles-Henri Plantades „Messe de morts“ ein völlig unbekanntes Schwesterwerk – Hervé Niquet und dem Musikwissenschaftler Alexandre Dratwicki ist die Begeisterung über diesen Fund in ihren begeisterten bis bewegten Beihefttexten in jedem Satz anzumerken. Immerhin erklangen die beiden Requiems im Abstand von sieben Jahren, gewidmet Ludwig XVI. und Marie-Antoinette, die bekanntermaßen beide auf dem Schafott ihr Leben ließen.
Cherubinis Requiem gewinnt durch den schlanken Chor- und Instrumentalklang (es spielen historische Instrumente) ungemein: Die Darbietung ist keinesfalls „fleischlos“ ebenmäßig, sondern bringt auch die dramatischen Passagen des „Dies Irae“ voll zur Geltung – allerdings ohne jegliches Oratorienchor-Pathos, vielmehr punktgenau und fokussiert. Die für jene Zeit korrekte französische Aussprache des lateinischen Textes mag immer noch ungewohnt klingen, tut aber ein Übriges zur effektvollen nationalen Verortung des Werkes.
Plantades Totenmesse erfreut zunächst durch die Vielfalt der in ihr zur Anwendung gekommenen kompositorischen Elemente: Richtigerweise merken Niquet und Dratwicki an, der Komponist habe gewisse Rahmenbedingungen der Anlage und des daraus resultierenden Klanges, die an die Musik des 18. Jahrhunderts erinnern, mit Stilmitteln und Besetzungskonventionen des 19. Jahrhunderts kombiniert – in der Tat ein spannendes, ja auch spannungsreiches Konzept, das anhand dieser vorzüglichen Einspielung zu erleben sich ohne Zweifel lohnt.

Michael Wersin, 12.11.2016



Diese CD können Sie kaufen bei:



Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Musik vom Land, statt Musikland: Wenn man sich die britische Musikgeschichte so anschaut, scheint an tatkräftigen Stimmen aus den eigenen Reihen zwischen Henry Purcell und Edward Elgar ein riesiges Loch zu klaffen. Ein Loch, in dem sich vor allem zugereiste Berühmtheiten tummelten, von Händel und Haydn über Mendelssohn bis Weber – die sich übrigens in London alle pudelwohl fühlten! Die Rede vom „Land ohne Musik“ ist ein geflügeltes Wort, seit Oscar Schmitz 1904 seinen Aufsatz zu […] mehr »


Top