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Pietro Locatelli, Jean-Marie Leclair, Antoine Forqueray, Giuseppe Tartini

Der Engel und der Teufel (Violinsonaten, Cembalo-Suite)

Chouchane Siranossian, Jos van Immerseel

Alpha/Note 1 ALP255
(68 Min., 7/2015)

„Engel - Teufel - Priester” – so lautete 2015 das Album der armenischen Barockgeigerin Chouchane Siranossian, für das sie Violinkonzerte von Leclair (Engel), Locatelli (Teufel) und Vivaldi (Priester) ausgewählt hatte. Und bereits da konnte sie mit einer durch und durch „beseelten“ Virtuosität auftrumpfen, begeistern. Nun also ist die einst von Reinhard Goebel an der Barockvioline ausgebildete Musikerin erneut ins Studio gegangen, um mit Jos van Immerseel am Cembalo den Pakt mit gleich drei Teufelskerlen zu schließen. Neben den Italienern Locatelli und Giuseppe Tartini kommt auch der Franzose Antoine Forqueray zu Ehren, der auf der Gambe den Ruf als „Teufel“ weg hatte (das Spiel vom Gambenkollege Marin Marais galt dagegen als engelsgleich). Und ein Wiederhören gibt es außerdem mit Jean-Marie Leclair, der bei einem musikalischen Wettkampf mit Locatelli „wie ein Engel“ gespielt haben soll.
Genau dieses Urteil gebührt jetzt auch immer wieder Chouchane Siranossian. Denn zwischen all die eingestreuten, irrwitzigen Verzierungskünste, mit denen sie die nun wirklich wenig handschmeichlerischen Sonaten geradezu lässig und vollkommen uneitel schmückt, bewegt sich Siranossian mit ihrem Können oftmals in überirdischen Sphären. Ein Glanzstück ist etwa das Capriccio-Finale von Locatellis d-Moll-Sonate op. 6 Nr. 12, bei dem Siranossians Instrument regelrecht schwerelos in kaum mehr wahrnehmbare Klangsphären entschwindet. Und in den langsamen Sätzen der Leclair-Sonate kostet sie in vollen Zügen den Charme und das Nachdenkliche dieser Musik aus. Dass Siranossian aber sich ebenfalls aufs motorisch Attackierende und schnittig Robuste versteht, stellt sie in Tartinis „Teufelstriller“-Sonate gemeinsam mit Jos van Immerseel klar. Und dass dieser inzwischen zum Dirigenten und Hammerflügel-Spezialisten konvertierte Belgier auch weiterhin ein teuflisch guter Cembalist ist, kann er in jenen vier Sätzen einer Gamben-Suite zeigen, die einst von Antoine Forquerays Sohn für Cembalo eingerichtet worden ist.

Guido Fischer, 03.12.2016



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