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Dmitri Schostakowitsch

Violinkonzerte Nr. 1 & 2

Frank Peter Zimmermann, NDR Elbphilharmonie Orchester, Alan Gilbert

BIS/Klassik-Center Kassel BISSACD-2247
(62 Min., 11/2012 & 8/2015)

Mit einem langen, leisen, aber ungemein bedrohlichen Paukenwirbel setzt im „Passacaglia“-Satz von Dmitri Schostakowitschs 1. Violinkonzert ein Geigenmonolog ein, der fast vier Minuten dauert. Und Frank Peter Zimmermann scheint ihn als einzigen Leidensschrei des Komponisten zu verstehen. So beklemmend und wild, so ungeschönt und selig zugleich gibt Zimmermann diese Kadenz. Und bevor der finale Taumel ihn möglicherweise dann doch aus der Kurve fliegen lässt, setzt das Orchester beherzt, mit einem geradezu Aram Katschaturianesken Volksmusik-Drive ein, reißt Zimmermann mit und stachelt ihn zu einer dauerimpulsiven, auf Attacke gebürsteten Energieleistung an. Wobei der deutsche Stargeiger nicht nur Durchhaltevermögen beweist, sondern das markant turbulente Schostakowitsch-Idiom nicht ins Lapidare umkippen lässt. Aber Zimmermann kann es eben und oftmals noch besser als manch einer seiner berühmten Kollegen (höchstens Christian Tetzlaff konnte es 2014 mit ihm aufnehmen).
Zum Glück hatte er jedoch bei beiden Violinkonzerten von Schostakowitsch eine exzellente Partnerwahl getroffen. Denn der amerikanische Dirigent Alan Gilbert und das NDR Sinfonieorchester, das offiziell ab 2017 „NDR Elbphilharmonie Orchester“ heißen wird, haben bei den Aufnahmen hörbar für diese Musik gebrannt und geglüht. Keine Emotion ist da zu gefühlig geraten und keine Anteilnahme zu kitschig. Was besonders in beiden eröffnenden „Moderato“-Sätzen stets eine Gefahr sein kann. Doch bei Zimmermann, Gilbert und dem Radioorchester wird selbst das lyrisch Mahnende, Zweifelnde mit einer eindringlichen Klarheit formuliert, wie man es gerade bei diesen konzertanten Statements nur selten erleben kann. Eine tolle, bewegende Aufnahme.

Guido Fischer, 10.12.2016



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