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Philippe Verdelot, Sylvestro Ganassi

Madrigali diminuiti

Denis Raison Dadre, Doulce Mémoire

Ricercar/Note 1 RIC371
(67 Min., 3/2016)

200 Jahre lang – bis Anfang des 18. Jahrhunderts – war die Blockflöte in Venedig äußerst gefragt. Nicht nur wie bei Vivaldi als Solokonzert-Instrument. Schon früh erkannte man auch ihre gesanglichen Qualitäten. Der wohl erste, der die Blockflöte in die Rolle eines Sängers schlüpfen ließ, war der Venezianer Sylvestro Ganassi. So schrieb er 1535 in seiner Blockflötenschule „Opera intitulata La Fontegara“: „Und wie der Maler die Werke der Natur mit verschiedenen Farben nachahmt, kann das Instrument den Ausdruck der menschlichen Stimme durch die Atemgebung und durch die Schattierung des Tones […] imitieren.“ Anhand der riesigen Palette an Verzierungen, die sich in Ganassis Standardwerk finden, hat nun das französische Alte Musik-Ensemble Doulce Mémoire um seinen Leiter Denis Raison Dadre ein gelungenes Experiment gewagt. Um die gesangliche Kraft und Magie der Blockflöte in den seelentiefsten Farben darzustellen, hat man sich italienische Madrigale des französischen Renaissance-Komponisten Philippe Verdelot ausgesucht und zumeist in zwei Fassungen aufgenommen. In den Originalen ist die Sopranistin Clara Coutouly mit ihrer herzzerreißend betörenden Stimme zu bestaunen. Und danach tut es ihr Denis Raison Dadre auf der Blockflöte traumwandlerisch gleich. So aufregend lebendig kann Musikgeschichte sein.

Guido Fischer, 28.01.2017



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