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Franz Schubert, Dmitri Schostakowitsch

Schwanengesang D957, Sonate für Viola und Klavier op. 147

Pauline Sachse, Lauma Skride

CAvi-music/harmonia mundi CAVI 8553371
(65 Min., 6/2016)

Zwei berühmte Schwanengesänge haben sich die Bratschistin Pauline Sachse und die Pianistin Lauma Skride für ihr gemeinsames neues Projekt ausgesucht – doch eine Stunde mit bleischweren Lebensabschiedsmusiken brauchen ihre Hörer nicht zu befürchten. Das gilt besonders für die erst posthum als „Schwanengesang“ bezeichnete Sammlung von Franz Schuberts letzten Liedern. Oft nur leicht verschattet und von geradezu duftiger Melancholie durchzogen, wirken viele Stücke in Sachses klarem und sauberen Vortrag, der von Lauma Skride als ebenbürtiger Partnerin einfühlsam und perlend begleitet wird. Kontraste setzten Lieder wie „Der Doppelgänger“, dessen deklamatorisch-düsteren Ton Sachse intensiv auf ihrem Instrument zu treffen weiß.
Ob sich alle Lieder Schuberts gleichermaßen zur rein instrumentalen Wiedergabe eignen, ob nicht manche ursprünglich der Deklamation geschuldeten Tonwiederholungen in der instrumentalen Version weniger logisch wirken und durch das Fehlen des Texts auf die Dauer nicht doch etwas von der Ausdrucksqualität verlorengeht, bleibt allerdings die Frage – und so ist es gut, dass die begabte Bratscherin mit Schostakowitschs Sonate für Viola und Klavier, die kurz vor dem Tod des Komponisten entstand, auch ein Originalwerk für ihr Instrument vorstellt. Statt fiebriger Todesnähe atmet das Stück in ihrer Interpretation dabei durchaus eine gewisse Gelassenheit und fast sogar Lebenszugewandtheit. Besonders ansprechend arbeitet sie die volksmusikalischen Anklänge des zweiten Satzes heraus, während sie den Schluss des Stücks weniger als ein Zusammenbrechen unter dem Druck des bedenklich pochenden Herzens als durchaus verklärtes Verlöschen interpretiert. Wer Anmut in der Auseinandersetzung mit den letzten Dingen sucht, wird sie in dieser CD finden.

Carsten Niemann, 11.02.2017



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